Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das eigentliche Mittelalter
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-919364
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-919986
Demüthigungen. 
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Handlungen, starker Dem üthigungen. Im gewöhn- 
lichen Verkehre der Menschen behielt zwar die Sitte 
noch eine gewisse Unbefangenheit, man sprach mit Frei- 
muth auch gegen Höhere, das Gefühl der Selbstständigkeit, 
auf dem die rechtlichen Verhältnisse beruheten, liess 
jene kriechenden und heuchelnden Formen der spätem 
Jahrhunderte noch nicht aufkommen m). Dafür aber kannte 
man bei ausserordentlichen Veranlassungen. kein Maass 
in der Demüthigung, man schwelgte darin, man suchte 
dadurch bald Mitleid zu erregen, bald eine Beruhigung 
des Gewissens zu erlangen. Daher die öffentlichen Geisse- 
lungen der Büssenden, die rohen, widerlichen Strafen bei 
Vornehmen wie bei Geringen, die knechtischen Formen 
der Bitte, der Klage oder Rechtfertigung, die ein nach 
unsern Begriffen unwürdiges Schauspiel geben im) oder 
selbst die Schaam verletzen iliiwl 
i") Zwar begann schon der Curialstyl der Demuth, z. B. die 
Anrede Kaiser I-Ieinriclfs II. an die Bischöfe des Concils zu Frankfurt: 
Domini et patres a mea parvitate huc adsciti convenistis (Conc. 
Gern]. III. p. 37), doch war diese Demulh mehr gegen Gott als 
gegen die Menschen gerichtet. 
i") Heinrich II. auf dem erwähnten Concil zu Frankfurt, wäh- 
rend über die von ihm gewünschte Errichtung des Bisthnms zu 
Bamberg berathen ward, warf sich, so oft die Meinung schwankte, 
zur Erde nieder, um sich zu demüthigen (Dithmar Mers. bei 
Luden. VII. 613). Heinrich IV. wirft sich sogar unter Weinen und 
Wehklagen der Umstehenden vor seinem Sohne zu Fiissen (Wachs- 
muth III. 1. S. 25). Männer und Frauen fürstlichen Geschlechts 
erscheinen als Bittende barfuss, weinend und werfen sich zur Erde. 
S0 vor Otto I. sein Bruder Heinrich und sein Sohn Ludolf, vor 
Heinrich II. der mächtige Herzog Lndolf von Schwaben (Luden 
D. G. VI. 473. VII. 606). Noch 1306 tragen die Schwestern 
König WenzePs II. ihre Fürbitte für ihren Schwager in dieser demü- 
thigenden Weise vor (Pfister D. G. III. 116), und es Scheint fßSf, 
dass man dies als eine nothwendige Feierlichkeit bei solchen Gelegen- 
heiten ansah. 
HI) Beispiele aus der deutschen Geschichte, die Wittwe des 
IV. 3
        

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