Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das eigentliche Mittelalter
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-919364
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-923684
Symbolik. 
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Glauben, der auf den Herrn hofft, repräsentirt durch die 
auf den Messias harrenden Juden, die klugen Jungfrauen, 
die Kirche selbst, und endlich die Magier, welche dem 
Stern folgen; die andere Seite die Weltlichkeit, näm- 
lieh die weltlichen Wissenschaften  die thörichten Jung- 
frauen, die ihr Oel in Eitelkeit verbrennen, das Gesetz, 
dessen Stab gebrochen ist. Aber auch hier ist der Weg 
des Heils nicht ganz verschlossen; wenn die Seele, wie 
Elisabeth, in Demuth die höher Begnadigte anerkennt 
oder wie die Jungfrau selbst dem Rufe derVerkündigung 
folgt, den Heiland in sich aufnimmt, gelangt sie noch zu 
dem gemeinsamen Ziele. Die Jungfrau Maria ist daher 
recht eigentlich die hlittlerin; sie führt die Welt zum 
Heile zunück und ist das Ziel der Verheissung  Im 
d) Die Stellung derWissenschaften ist nicht immer so ungünstig. 
Im Portal der alten Kirche zu Defols bei Chateau-roux (Dep. des 
Indre auf der Strasse nach Liinoges) ist im Tympan Christus mit den 
vier Evangelisten; in den Bögen:  1, Engel, das Lamm in der Mitte; 
 2, die 7Kiinste, die Philosophi ein der Mitte;  3, die Monate. Die 
Wissenschaften bilden also einen Uebergang zwischen dem Natur- 
leben der Menschen und dem Himmel. Dagegen erscheinen sie in 
dem in unserem Texte gegebenen Beispiele und auch sonst entschieden 
als profan, dem Heiligen entgegengesetzt. Auf dem Bilde der 
Verherrlichung des h. Thomas von Aquin in der Kapelle degli Spag- 
nuoli bei S. M. novella in Florenz stehen zu den Fiissen des grossen 
Theologen zur Linken die 7 Schulwissenschaften, jede mit einem 
heidnischen Vertreter (Pythagoras, Euklid u. s. ü), zur Rechten aber 
7 geistliche Künste, die verschiedenen Zweige der Theologie und 
Jurisprudenz, jede mit: einem Geistlichen. 
M) Die Deutung der ersten Figuren neben der Thiire ist schwie- 
riger. Auf der Seite der Verheissung finden wir nämlich die Wol- 
lust und Verleum dung durch Unterschriften bezeichnet und neben 
ihnen einen Engel, an den sich dann erst Aaron und die folgenden 
im Text erwähnten Figuren anreihen. Auf der anderen Seite dagegen 
gelten die h. Margaretha und h. Katharina der Astronomie, die den 
Reigen der Künste erötfnet, voraus. Es könnte damit gesagt Sei", 
dass durch die Sünde und ihre Erkenntniss, welche der Engel andeuten 
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