Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das eigentliche Mittelalter
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-919364
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-919946
Charakterlosigkeit 
der 
Laien. 
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meisten Charaktere, selbst solche, die in einzelnen Fällen 
grosse Klarheit und Energie beweisen, leiden 1131191" an 
Widersprüchen und Schwächen, die es im äussersten 
Grade erschweren, sich eine feste Anschauung von ihrem 
geistigen Wesen zu bilden. Sie sind wie ein weicher 
Stoff, dem die Umstände bald diese, bald jene Form 
geben i). Diese moralische Schwäche stand in engster 
Verbindung mit einer falschen Anwendung religiöser 
Lehren. Der Glaube an die unmittelbare Leitung der 
menschlichen Schicksale durch Gottes Hand ist gewiss 
richtig, aber nur bei richtigem Verständniss. Er bedarf 
der Einsicht, die schon der tiefste der Kirchenvater 
empiiehlt, dass die irdischen Güter nicht nach Gerech- 
tigkeit vertheilt würden, damit die Sehnsucht nach dem 
Ueberirdischen bleibe, der Ueberzeugung, dass auch die 
Trübsal uns zum Besten gereicht. Diese bescheidene 
Unterwerfung war einem sinnlichen Zeitalter nicht leicht, 
i") Adam von Bremen zeichnet in seiner vortrelflichezi Schil- 
derung des Erzbischofs Adalbert, den er wie er selbst sagt lleissig 
und oft erforscht hat, einen Charakter dieser Art mit grosser 
Anschaulichkeit. Er findet an ihm nsapientem virum, sed illa, quam 
nimium dilexit, mundi gloria perductum ad hanc mollitiem animi, 
quod in prosperilale rerum temporalium elevatns in superbiam ad 
laudem comparandam ignorabat modum: in adversitate autem plus 
justo contrisiatus, iraciundiae aut Inoerori frena laxahat. Qna de re 
accidit, ut quoiiescunqixe iratus esset, tamquam leo fugeretur ab 
omnibus; cum vero placatils esset, palpari possel ut. agnus. CifiSSimß 
autem ad hilaritatem ab ira laudibus mulceri potuit et tunc quasi 
alteratus ab illo, qui fuit, arridore coepil: laudatoriß. (Bei ßaumef, 
Handb. merkwürdiger Stellen aus den Geschichtsschr. d. M. A. 
Breslau 1813, S. 121.] Lambert von Aschaffenburg (ßp- PiStßT- 1- 350) 
ergänzt diese Schilderung, indem er seine innige Andacht bemerkt. 
Vir admirandae compunctionis, sagt er von ihm: Poüssimllln dm" 
salutareln Deo hostiam immolaret, totus in lacrymas elfluebat. Er 
fügt hinzu, dass er klug und keusch gewesen, dass aber diese 
Tugenden verdunkelt habe: morum insolentia et jactantiae levitas.
        

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