Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das eigentliche Mittelalter
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-919364
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-923558
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Plastik 
und 
Malerei. 
scheint, im 13. Jahrh. Ketzer Crucifixe mit drei Nägeln; 
daher eiferten denn die Zeitgenossen dagegen i). Indessen 
gestattete auch die Dreizahl frommeDeutungen, die Sym- 
boliker liessen daher beide Formen gelten 34') und die 
Kunst entschied sich für die geriugereZahläWit), die eine 
bessere Haltung des Körpers hervorbrachte. Gleichzeitig 
änderte sich auch die Tracht des Gekreuzigten; die lange 
Tunica, welche früher den Körper ganz verhiillte, wird 
schon im 12. Jahrh. kürzer, im 13. und noch allgemeiner 
im 14. vertritt ein Schurz um die Hüften ihre Stelle. 
Auch wird der nunmehr grossentheils unbekleidete Körper 
mehr und mehr natürlich und lebendig, der Kopf mehr 
zur Seite gewendet und geneigt, der Leib nicht mehr 
wie sonst auswärts gebogen, sondern mehr eingezogen. 
In thron o, wie Durandus sagte, also als verklärter 
Heiland und Herr der Welt, wird Christus bald in der 
Glorie nur von Engeln oder von den Zeichen der Evange- 
listen umgeben, bald in der mit grösserer oder geringerer 
Ausführlichkeit entwickelten Darstellung des jüngsten 
Gerichts gebildet. In beiden Fällen hat er gewöhnlich 
die rechte Hand aufgehoben, in der linken das Buch; aus 
seinem Munde gehen zwei Schwerter nach beiden Seiten 
aus. Die Zweischneidigkeit des Schwertes, von 
welcher in Apokal. 19, I5 gesprochen wird, war schon 
 Hnrter im Leben Innoc. III. Th. H, 231. 
der Papst selbst erklären sich für die X'icrzal1l. 
Lucas Tudensis 
und 
M") Wilh. Durandus (im Rationale lib. VI. De die parasvenes) 
führt die Erklärungen für beide an. Die drei Nägel bedeuten den 
dreifachen Schmerz des Herrn, den körperlichen, den geistigen und 
den des Herzens. Der rechte Fuss musste oben, der linke unten 
liegen, um die Herrschaft des Geistigen über das Sinnliche anzudeuten. 
im) S0 schon im 13. Jahrh. an der L. Fr. Kirche zu Trier, in 
Schulpforte, am Freiburger Münster, M! der LQFCHZk. in Nürnberg.
        

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