Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das eigentliche Mittelalter
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-919364
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-923528
Darstellung 
Christi. 
387 
Gehen wir die Eigenthümlichkeiten dieser Hauptdar- 
stellnngen durch, so ist zunächst die Tracht des Erlösers 
in allen erwähnten Momenten, so Verschieden sie sind, 
in der Regel und wenigstens in der früheren Zeit die- 
selbe; eine einfache lange 'I'unica mit langen Aermeln, 
nnbedecktes Haupt und unbekleidete Füsse. Alle Per- 
sonen der Gottheit, sowie die meisten der Propheten und 
sämmtliche Apostel wurden so bekleidet; die antike Tracht, 
welche man bei diesen ältesten Gestalten mit treuer 
Beobachtung der Tradition beibehielt, 
Zeichen einer höheren Würde. 
wurde 
auch 
das 
Das Christuskind auf dem Schoosse der Jungfrau 
wird, Wenigstens in der ersten Hälfte desZeitalters nicht 
von ihr gehalten, sondern sitzt frei und aufrecht auf ihren 
Knieen, vresidet", wie Durandus bezeichnend sagt, „in 
gremio matris"; es thront schon hier. Auch ist es in 
Zügen und Formen mehr ein kleiner Mann, als ein Kind, 
bekleidet, ernsthaft vor sich blickend, die Weltkugel in 
der Linken, die Rechte segnend oder lehrend erhobenii). 
Im 13. Jahrh. wird die Scene allmälig menschlicher, die 
Mutter umfasst das Kind; es hält noch Globus oder Buch, 
segnet noch und ist bekleidet, aber es ist kleiner und in 
Haltung und Mienen kindlicher. Im 14. Jahrh. geht man 
in dieser Richtung Weiter, namentlich die stehenden Sta- 
tuen der Jungfrau werden immer freier und drücken das 
Kind recht innig und mütterlich an die Brust. Die Bahn 
ist damit gebrochen, und der Uebergang zu der häuslichen 
Auffassung der h. Familie, die später beliebt wurde, gemacht. 
4') Der Gedanke, in dem Kinde die göttliche Weisheit durch- 
leuchten zu lassen, ist sehr deutlich ausgesprochen in der Inschrift 
auf einem Relief (aus der abgebrochenen Kirche zu Beaucaire; vgl. 
Märimee Midi p. 336 und Caumont im Bull. mon. XI): In gremio 
matris residet sapientia patris. 
25"
        

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