Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das eigentliche Mittelalter
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-919364
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-923518
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Plastik 
und 
Malerei. 
darzustellen; jener Streit der alten Kirchenlehrer war 
verschollen, man dachte ihn als den Schönsten unter den 
Menschenkindern, und wenn das Bild dennoch hässlich 
ist, so trägt das Ungeschick des Bildners die Schuld, der 
ihn nur ernst, strenge, schreckend darstellen wollte. Denn 
dies ist nun die herrschende Auffassung; er wird als ge- 
reifter, kräftiger Mann gedacht, oft mit dem unverkenn- 
baren Ausdruck des Drohens. Man sieht ihn daher ge- 
wöhnlich nur in den prägnanten Momenten, wo seine 
Göttlichkeit und ihre Heilswirkung hervortritt. Der gründ- 
lichste Symboliker des Mittelalters (Durandus im Rationale 
lib. I. cap. 3) spricht es gradezu aus, dass der Erlöser 
in den Kirchen nur in drei Momenten dargestellt werden 
dürfe, entweder auf dem Throne sitzend, oder am schmach- 
vollen Kreuze hängend, oder endlich auf dem Schoosse 
der Mutter. Eine vierte Darstellung, die nicht minder 
häufig ist, fügt er selbst an anderer Stelle hinzu, die 
nämlich, als Lehrer der WVelt mit dem Buche der Wahr- 
heit in der Hand. Es ist bald offen, und dann gewöhn- 
lich mit den Schriftworten: Ich bin der Weg, die Wahr- 
heit und das Leben beschrieben, oder geschlossen, wo es 
dann das apokalyptische Buch bedeutet, welches nur er, 
der Löwe vom Stamme Juda zu öffnen vermag i). Diese 
vierte Form hinzugerechnet wird die Bemerkung des Sym- 
bolikers durch die Denkmäler bestätigt; andere Momente 
aus dem Leben des Erlösers kommen wenigstens an den 
bedeutsameren Stellen der Kirchen nicht vor, diese aber sehr 
häufig, ja sie dürfen in grösseren Kirchen nicht fehlen. 
Ü Durand. Bat. lih. I. c. 3. Divina majestas depingilur qnando- 
que cum libro clauso in manibus, quia nemo inventus est dignus 
aperire illum nisi leo de tribu Juda. Et quandoque cum libro aperto, 
ut in illo quisque legal: quod ipse est lux mundi et via, veritas et 
vita. Beide Darstellungen linden sich gleich oft. 
        

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