Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das eigentliche Mittelalter
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-919364
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-923469
Thiere 
auf Grabsteinen. 
381 
bestand. 
nicht 
Auch 
kommt 
etwas 
sehr Aeusserliches 
in 
Betracht. 
nämlich 
Wenn man 
den Verstorbenen auf dem 
Rücken liegend abbildete und seine Füsse aufwärts stan- 
den, bildeten sie eine unbequeme Lücke, welche man 
ausfüllen wollte, und nach einem passenden Gegenstande 
suchtefbei dessen Wahl dann eine dunkle, mehrdeutige 
Symbolik mitsprach. Indessen ist es richtig, dass zu- 
weilen auch Statuen, namentlich die der Jungfrau, ge- 
krönte diabolische Gestalten oder Drachen oder Löwen 
unter ihren Füssen haben, womit dann unzweifelhaft ein 
Sieg über den Fürsten der Finsterniss angedeutet ist Ü. 
Ritters in der Kirche zu Monididier Dep. Somme (Bull. II. 604) sind 
zwei Hunde oder ein Hund und ein Löwe im Kampfe, womit viel- 
leicht irgend eine specielle Nebenbeziehung auf das Leben des Be- 
statteten (wohl schwerlich die Unterdrückung der Zwietracht unter 
seinen Vasallen) angedeutet ist. Auf dem Grabe eines englischen 
Ritters ist auch dem Löwen noch ein Hund zugesellt, indessen der 
Name des Letzten (Jakke) heigeschrieben, so dass also nur das An- 
denken des treuen, vielleicht mit beerdigten Thieres, erhalten werden 
sollte (Cotman, Sepulchral Brasses of Norfolk pf XIII.) Auf zwei an- 
deren Rittergräbern zu Lynn inNorfolk finden sich Teufel von denen 
der eine einen Hund, der andere ein Huhn würgt (eod. tab. 2, 3), 
 in der Kirche zu Wechselburg haben die (hölzernenj Statuen 
der Jungfrau und des Johannes menschliche Figuren unter ihren 
Füssen, welche Puttrich (Bl. 10 und S. 24) als Judenthum und 
I-leidenthum erklärt. Die zwei (steinernen) Statuen einer ritterlichen 
und einer priesterlichen Gestalt am Eingange des Chors derselben 
Kirche (B1. 3 und 12) treten auf den Löwen und den Drachen. Auf 
Glasgemälden im westlichen Chor des Doms zu Naumburg sindQunter 
den Füssen verschiedener Heiligen niedergedrückte menschliche Fi- 
guren mit Kronen und mit beigeschriebenen wunderlichen Namen: 
Astrages, Hirtacus, Mendeus u. s. w. zu sehen. Lepsius (bei Puttrich 
im bem Hefte S_ 21) deutet sie auf überwundene Heidenfürsten, 
was bei dem langen Zwischenraume zwischen der Unterdrückung des 
Heidenthums und der Stiftung dieser Glasgemälde wohl nicht wahr- 
scheinlich ist. Eher sind die Namen aus irgend einer Diimonologie 
genommen. Auf I-leidenfürsten könnte man vielleicht" die gekrönten 
Gestalten deuten, welche an den uralten Statuen des Kaiser Otto I. u. IL,
        

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