Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das eigentliche Mittelalter
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-919364
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-923450
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Plastik 
Malerei. 
und 
sonderbar genug ist es, dass uns von manchen Ge- 
brauchen, denen offenbar eine Symbolik zum Grunde lag, 
keine Erklärung überliefert ist. Dahin gehören die Thiere, 
welche man auf Grabsteinen regelmässig unter den 
Füssen der Leichen wie eine Bank angebracht findet. 
Gewöhnlich sind es bei Fürsten und Rittern Löwen, bei 
Damen Hunde, bei Bischöfen und Aebten Drachen. Löwe 
und Drache erinnern an die schon erwähnte, und auf die 
Kirche angewendete Verheissung des 90. Psalms: Auf 
Löwen und Drachen wirst du treten; zumal da bei Bi- 
schöfen auch wohl beide Thiere zusammen vorkommen  
Allein dagegen spricht wieder der Hund, den man als 
Sinnbild der Treue auslegen möchte, und dem entsprechend 
dann der Löwe als Sinnbild der Stärke erscheinen müsste; 
denn man kann schwer glauben, dass eine und dieselbe 
Art der Symbolik bald activ bald passiv gebraucht sein 
sollte. Zuweilen findet sich aber auch unter den Füssen 
der Ritter ein Satan oder Wilder, so dass dann dadurch 
nicht eine Eigenschaft des Bestatteten, sondern vielmehr 
das Unrecht oder die Sünde, welche er zertrat, bezeichnet 
ist  Man sieht also, dass eine fest ausgeprägte Symbolik 
1') S0 bei dem Bischof von Ely (1- 1254; bei Stothard, monu- 
mental effigies) und bei Siegfried III. von Mainz (1- 1250; Müller, 
Beiträge I. S. 21). Auch Frauen haben zuweilen Löwen; so die 
Landgräiin von Hessen (1376) in der Elisabethk. zu Marburg (bei 
Moller) und die Königin Berengaria, Gemahlin Richards Löwenherz 
(f 1219; bei Stothard a. a. O. S. 19). 
 Auf dem Grabmale des Markgrafen Dittmar und seines 
Sohnes (1350) in der Kirche zu Nienbnrg an der Saale stehen beide 
verschiedenartigen Symbole nebeneinander, indem unter den Füssen 
des Vaters der Löwe, unter denen des Sohnes eine wilde Menschen- 
gestalt mit behaartem Körper und einer Keule liegt. (Puttrich. 1. Abth. 
l. Band Bl. 12). Unter den Füssen eines Grafen in der Kirche zu 
Querfurt (Puttrich II. 2. Bl. 9), und unter denen eines französischen
        

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