Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das eigentliche Mittelalter
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-919364
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-919927
Klosterleben. 
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spiele, dass es sich nur um den Kampf mit groben 
sinnlichen Gelüsten oder lächerlichen Einbildungen, mit 
Speiselust oder körperlicher Schläfrigkeit handelt a). Im 
Kloster wie in der äussern Welt genügte ein militairischer 
Heroismus, bei dem eine leidenschaftliche Energie ent- 
scheidet. In den hiedurch begründeten Eigenschaften 
sind denn die Geistlichen oft wahrhaft gross; in uner- 
schütterlicher Festigkeit, in Strenge gegen Sißh lllld 
Andre, in tapferer Begeisterung. Aber für die Erschaffung 
einer feinern Sittlichkeit leisten sie wenig; ungeachtet 
des Ernstes und scheinbarer Gründlichkeit sind sie hier 
oberflächlich, sie keimen nur grobe Naturen. Daher trägt 
denn auch ihr Handeln bei allen feinern Aufgaben den 
ü) Nirgends lag die Veranlassung zu feinen Betrachtungen 
näher, als da wo die Schriftsteller von der Acedia, der Lässig- 
keit (einer der sieben Todsiinden) sprachen. Man bemerkte, dass 
sie durch angestrengtes Lesen oder Fasten, besonders bei jiingern 
Mönchen entstehe, dass sie ihnen ein Gefühl der Unfähigkeit und 
Trägheit, eine Unlust an sich und Andern gebe. Caesarius von 
Heisterbach, ein gelehrter und angesehener Schriftsteller des 12. 
Jahrh., der es in seinen Dialogen recht eigentlich auf eine umfassende 
Schilderung des Mönchslebens abgesehen hat, giebt (lib. 4, Cap. 27,) 
eine ganz gute Beschreibung dieses Zustandes von Kleininiithigkeit, 
Ekel, Widerstreben, Zerstreutheit, aber alle Beispiele, die sich daran 
anschliessen, laufen nur auf Ermüdung, Langeweile lind sinnliche 
Phantasien hinaus. Vergl. mehrere Beschreibungen der Acedia bei 
Ducange, s. h. v. Es soll indessen nicht geleugnet werden, dKSS 
manche zarte Gefühle sich im Kloster ansbildeten. Guizot, I-list. de 
la civilisation en Fü-ance, I. 151, theilt sehr anziehende Scenen dieser 
Art aus dem Leben der Abtissin Husticula in Arles mit. Wahrhaft 
rührend ist auch die Schilderung, welche unser tretflicher Geschichts- 
schreiber, Lamhert von Aschalfenburg, von dem VerhällYliSSß Zll 
seinem alten Abte giebt. Er hatte im Drange seines Herzens ohne 
dessen Zustimmung eine Wallfahrt ins gelobte Land übernommen, 
und war nun auf dem Rückwege von der Sorge gequält; Ü!" "ich? 
mehr am Leben zu finden. Er fand ihn wirklich dein Tode nahe, 
erhielt aber noch seine Verzeihung.
        

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