Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das eigentliche Mittelalter
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-919364
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-923422
als 
Thiere 
Arabesken. 
377 
die doch nicht ausbleiben konnte , wenn dieser gewöhn- 
lich da gewesen wäre. Diese völlig eingeweihten Männer 
nahmen also eine solche Symbolik nicht an oder hielten 
sie für so wenig verbreitet, dass es nicht der Wider- 
legung bedurfte. Wir dürfen nicht weiter gehen als sie, 
und daher die symbolische Bedeutung nicht als Regel, 
sondern nur als Ausnahme betrachten. Der heitere Sinn, 
die Freude an mannigfaltigen Formen, nicht eine finstere 
Absichtlichkeit brachte diese Gebilde hervor. Die Geist- 
liehen selbst mochten allenfalls ihr Wohlgefallen an diesem 
Schmucke damit rechtfertigen, dass er dem Besehauer 
einen heilsamen Schrecken einflösse, den Künstlem war 
diese Symbolik nur ein Vorwand, um sich in phantasti- 
schen Bildern zu ergehen. In vielen Fällen erkennen 
wir deutlich, dass grotteske Figuren und Thiere bloss 
totumque diem occupare singula ista mirando , quam in lege Dei me- 
ditando. Pro Deo, si non pudet ineptiarum, cur vel non pudet 
expensarum". So noch am Ende des 15. Jahrhx. der Bayerische Abt 
Angelus Bumplerus (Pez. Thes. anecd. I. p. 478): „Non reprehendo 
debitum ornatum, sed superfluum. Nam et picturae libri sunt laicorum. 
De his autem picturis dixerim, quae passionem Christi continent et 
martyrum agones. Sed quid faciunt in ecclesia leones? quid leae- 
nae, quid dracones? quid denique caelera animalia?" Er nennt 
grade Thiere, deren symbolische Bedeutung in der Bibel begründet 
war, und bei denen die lehrhafte Absicht, auf welche er dringt, 
nahe lag, würde also gewiss die Entschuldigung, welche man ihm 
entgegensetzen konnte, erwähnt haben, wenn er sie befürchtet hätte. 
Eben so wenig sprachen die Lobredner davon. So schildert um das 
Jahr 1200 Brompton (bei Harter, lnnocenz, Th. IV. S. 687) das 
Grabmal der Bosamunde zu Clilford als nadmirabilis architecturae, in 
q", conmcms pugilum, gestug animalium, volatus uvium, saltus pis- 
cium quasi movere conspiciantur". Allf lebendige Darstellung 
kam es also an. So wird auch bei der Beschreibung des Tempels von 
lllonsulivatsch im Titurel wiederholt von 1a Reben, Laub und Meer- 
wundern ß in einer Zusammenstellung gesprochen, die es recht an- 
schaulich macht, dass es sich hier um blosses Ornament handelt.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.