Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das eigentliche Mittelalter
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-919364
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-923399
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Plastik 
und 
Malerei. 
Man hat darin wohl eine geheime Opposition der Laien 
gegen dieKirche gesucht; das ist sie aber gewiss in den 
seltensten Fällen f), in den meisten ging die Satyre von 
Geistlichen und Mönchen selbst aus, welche über die 
Sünden ihrer Genossen empört waren und der Würde 
des Standes nichts zu vergeben glaubten, wenn sie die 
schlechten Mitglieder desselben verspotteten. Der Standes- 
geist, welcher sich hütet die Blössen der Seinigen auf- 
zudecken, gehört den Zeiten eines wankenden Ansehens 
an und war der Kirche des Mittelalters noch fremd. Auch 
scheute 
die 
Geistlichkeit 
weder 
das 
 Heitere 
noch 
die 
weltliche Poesie. Auf dem unteren Theile des Sitzes 
der Chorstühleiw) finden sich fast immer lächerliche 
Karrikaturgestalten; auf der Rückseite heiliger Bilder 
brachte man wohl auch-lustige Geschichten aus der Le- 
gende aus'm); und die anmuthigen Stoffe der Ritterpoesie 
 Wie in dem Bildwerke in der Vorhalle von Kloster Laach, 
wo der Teufel dem Pelikan, dem Sinnbild der Kirche, eine Schrift- 
rolle mit den Worten: Peccata Bomae, die Sünden BORIS, Vürhält. 
In Clmuvigny auf einem reich verzierten Kapitäle eine sitzende Frau 
mit der Unterschrift: Babilonia magna meretrix-Roma. Merimöe in 
seinen Beisenotizen (Ouest. p. 485) ist der Meinung, dass das letzte 
Wort der Zusatz eines Hugenotten sei. Da die Schriftzüge den 
übrigen gleichen, so scheinen mir die Gründe, welche er anfiihrt, nicht 
überzeugend. Auch war ja der Zorn gegen die Sünde der höheren 
Geistlichkeit zu Rom im ganzen Mittelalter bei den friimmsten Katho- 
liken nichts Seltenes. 
i") Der sog. Misericordia, weil die ermüdeten Domherren bei 
dem Theiie des Dienstes, dem sie stehend beiwohnen mussten, sich 
darauf lehnen konnten. Ich führe keine Beispiele dieser Art an, 
weil sie zu häufig sind. Wer nähere Erklärung der einzelnen Theile 
der Chorstühie und ihres historischen Ursprungs sucht, findet sie in 
dem interessantenAufsatze vonJourdain und Duval über die wStallesß 
des Doms zu Amiens in den Mem. des Antiq. de la Picardiravll. p. 81 tf. 
mm") S0 auf der Rückseite einer hölzernen Kanzel in St. Fiacre 
beiFaouret in der Bretagne der h. Martin, den rlerTeufel zum Lachen
        

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