Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das eigentliche Mittelalter
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-919364
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-923388
Humoristische 
Darstellungen. 
373 
Dies war schon im 13. Jahrh. so häufig, dass ein stren- 
gerer Dichter den Geistlichen seiner Zeit Vorwil-ft, dass 
sie in ihren Münstern Isengrin und seine Frau eher dar- 
stellen liessen, als das Bild unserer lieben Frauensl 
Diese Thierfabeln hatten eine mehr oder minder moralische 
Bedeutung und eigneten sich vortrefflich zur Darstellung, 
es war daher sehr natürlich, dass man sich diese nicht 
versagte. Nach unseren Sitten würde dies der Bestim- 
mung eines kirchlichen Raumes widerstreben; das Mittel- 
alter lebte aber zu sehr in der Kirche, diese fiel mit der 
Welt so vielfältig zusammen, dass man eine solche 
Mischung des Ernsten und Heitern nicht unschicklich 
fand. Die Thierfabel ist an sich satyrisch und in diesem 
Sinne wurde sie hier aufgefasst, und zwar meistens so, 
dass die Satyre unmittelbar die Geistlichen und Mönche 
traf und ihre Unwissenheit, Sinnlichkeit, Habsucht u. s. f. 
geisselte. Daher erscheint dann, und zwar innerhalb der 
Kirchen, der Fuchs, welcher den Hühnern predigt M) 
oder der Esel, Welcher liest, lehrt, Schach oder Harfe 
spielt, in der Mönchskutte oder gar in geistlicher Trachtt"). 
des Baums, unter welchem der Fuchs steht, der Storch, welcher aus 
dem Rachen des Wolfs den Knochen herausholt. Beides hier wohl 
mit moralischer Deutung auf die Gefahr der Verführung und des 
Lasters. 
 nEIl leurs monstiers ne font pas faire si tust Pimage Nostre 
Dame com font Ysengrin et sa fame." So der Prior Gaultier de 
Coinsi vor 1236. Annal. archeol. II. p. 269. 
l") Dies oft in Frankreich, besonders im südöstlichen (Bulletin 
du comite historique des arts et man. II. 686.), aber auch in Deutsch- 
land z. B. am Dom in Brandenburg (Otte in den Mitth. d. Thür. 
Sächs. Vereins. VI. 48.) 
 Ich erinnere nur an die bekannten Reliefs dieser Art in 
Freiburg und Strassburg; ähnliche finden sich in sehr vielen alten 
Kirchen.
        

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