Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das eigentliche Mittelalter
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-919364
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-923376
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Plastik 
und 
Malerei. 
überhaupt als gewöhnlichen Zierrath ansahß). Diese 
edlen Thiere erschienen gleichsam als Trabanten der 
Macht und des Vornehmen. So findet man Löwen, be- 
sonders in Italien, häufig an den Kirchthüren als kräftige 
Wächter, oder unter dem Fusse der Säulen zum Zeichen 
der Macht der Kirche"), so stehen sie an der Facade 
des Strassburger Münsters wie eine Trabantenwache 
neben den Statuen Salomois und der Jungfrau. In dem- 
selben Sinne liebte man Adler als ein unbestimmtes Symbol 
der Hoheit in Palästen anzubringen. In anderen Fällen, 
wo die Thiere mehr als blosses Ornament sind, dienen 
sie doch nicht einer kirchlichen Symbolik, sondern einem 
harmlosen, aber derben Humor. Oft sind sie gradezu aus 
der damals so sehr beliebten und verbreiteten Thierfabel, 
namentlich 
auch 
aus 
dem 
Reineke Fuchs 
entnommen  
126). Im Kloster St. Florent zu Saumur war an solchen Festtagen 
der Abt elephantinis vestibus, der Prior leoninis bekleidet (Mar- 
tene et Durand, Amplissima collectio, Tom. V. col. 1102). 
 So heisst es im Lohengrin (ed. Görres. p. 60): Das bette 
wolgezieret was mit golde rich und seiden, manic tier darin gewoben. 
Bekannt sind die tredlichen seidenen Gewebe, gewöhnlich byzan- 
tinischer, oft auch wohl arabischer Fabrication, welche an vielen 
Orten gezeigt werden, und meistens aus der Zeit der Kreuzzüge her- 
stammen, deren Verzierungen gewöhnlich in mannigfach gestellten 
Adlern und anderen Thieren bestehen. So u. a. in dem aufgefun- 
denen alten Kleiderschatze der Marienkirche zu Danzig, im Dom zu 
Metz u. s. f. 
i") Man hat darin Wappenthiere zu entdecken geglaubt und zu- 
weilen mag man auch solche Beziehungen hineingelegt haben. S0 ist 
der Greif das Wappen von Perugia, der Wolf das von Siena, und 
am Palazzo publico der ersten Stadt ist ein Greif angebracht, der 
einen Wolf zerreisst. Bekanntlich hält man den Löwen gewöhnlich 
für das Zeichen der gueliischen Partei, wo dann die menschliche oder 
thierische Gestalt zwischen den Klauen die ghibellinische andeuten 
würde. Indessen findet sich dasselbe Symbol auch in ghihellinischeu 
Städten und selbst in Frankreich, wo jene Deutung unmöglich ist. 
 Am grossen Portal zu Amiens der Rabe auf den Zweigen
        

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