Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das eigentliche Mittelalter
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-919364
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-923362
Thiersymbolik. 
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der Thiere wohl auf eine Absicht schliessen, die sich 
aber durch die Ungenauigkeit der Darstellung und dumh 
die Dunkelheit des symbolischen Gedankens der Deutung 
entziehtii). Häufig aber dienen die Thiergestalten offen- 
bar nur, um einem Gegenstande den Charakter der Würde 
oder des Reichthums zu geben; so auf gewebten Ge- 
wändern, (wo Greife, Einhörner, Löwen, Adler und selbst 
Elephanten so sehr üblich waren, dass man die Ge- 
webe nach diesem Schmucke klassiiicirteäii), und Thiere 
dem südlichen Frankreich auf, in welcher Gegend diese Symbolik 
am meisten beliebt gewesen zu sein scheint. Uebrigens wurden die 
Laster auch öfters in menschlicher Gestalt dargestellt. So am Por- 
tale des Doms von Tournay, wo eine weiblicheFigur mit einer Lanze 
einen geharnischten Mann niederstösst, jene durch Inschrift als Hu- 
militas, dieser als Superbitas (sie!) bezeichnet. Le Maistre d'Anstaing, 
Rech. sur ls. cath. de Tournay. I. p. 302. 
 So ist bei dem Belief in Gernrode (Puttrich Tf. 21) eine 
allegorische Bedeutung nicht zu bezweifeln. Eine betende Gestalt 
nimmt das mittlere Feld ein; die Einrahmung ist fast durchgängig 
mit Thieren in ziemlich grosser Dimension gefüllt. Oben das Lamm 
mit dem Kreuze, also das unzweifelhafte Symbol Christi, zwischen 
zwei Adlern und zwei Löwen in Verbindung mit den menschlichen 
Gestalten Johannes des Täufers und eines Apostels. Unten allerlei 
geringe Thiere, die freilich nur zum Theil erkennbar sind, Schweine, 
Gänse, Hasen u. dgl. Auf den Seitenbalken wieder ein Löwe und 
Adler. Soll vielleicht durch diese niedrigen und unreinen Thiere 
unter den Füssen der betenden Gestalt (eine heilige oder doch eine 
fromme Wohlthäterin des Klosters) die Welt, durch jene könig- 
lichen in der Umgebung Christi der Himmel, zu dem sie sich er- 
hebt, angedeutet sein? Dass übrigens (wie Otte, Abriss der Kunst- 
Archäologie S. 112 annimmt) die reinen und unreinen Thiere des 
mosaischen Gesetzes als Symbole des Lichts und der Finsterniss ge- 
golten hätten, wird hiedurch noch nicht bestätiget und ist auch sonst 
nicht erweislich. 
"O So bei Anastasius dem Bibliothekar im Leben Greg. IV. im 
J. 827: vestem aliam cum leonibus habens- P- 161-  Vesfe de olovero 
cum gryphis et unicornibus; in dem des Stephanus im J. S85: Vela 
sericu" duo ex his aquilata, et leonata nonaginta (p. 103 und 
24 K"
        

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