Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das eigentliche Mittelalter
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-919364
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-923343
Fabelhafte Thiere. 
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ein blutrothes menschliches Antlitz mit gelbem Auge, den 
Schweif eines Scorpions, Vincentius von Beauvais aber 
auch einen Löwenleib, dreifache Zahnreihen und das 
Zischen der Schlange beilegte, und den dieser als ein 
Sinnbild des Satans und der dreifachen Begierde der 
Fleischeslust, Augenlust und Hoffahrt schildert. Aber 
auch gewöhnliche und bekannte Thiere erhalten von den 
Schriftstellern des Mittelalters oft eine symbolische Deu- 
tung. Die Commentatoren der heiligen Schrift hatten 
damit den Anfang gemacht, indem sie bei jeder Bibel- 
stelle, wo eines Thieres gedacht ist, allerlei allegorische 
Nutzamvendungen auf menschliche Laster entwickelten, 
und die Lehrbücher der Naturgeschichte, namentlich die 
wegen der den Thieren gewidmeten Vorliebe besonders 
häufig vorkommenden nßestiarien", liebten es durch diese 
Deutungen ihren Beschreibungen einen höheren Werth 
zu verleihen?) Allein eine Zusammenstellung solcher 
Deutungen ergiebt schon, dass die Schriftsteller sich 
keinesweges bemüheten, dieselben fest auszuprägen, 
sondern dass sie vielmehr gern mehrfache Beziehungen 
häuften, um ihre Werke desto lehrreicher und erbaulicher 
zu machen. Ein fester, in der bildlichen Darstellung 
ohne Wörtliche Erklärung einleuchtender Sinn entstand 
auf diese Weise nicht  und eine allgemein verständliche 
 S0 Philipp von Than, ein Engländer des '12. Jahrh. in der 
Vorrede zu seinem Liber bestiarius (herausgegeben von Wright, 
London 1841): Liber iste bestiarius dicitur, quia in primis de bestiis 
loquitur, secundario de avibus, ad ultimum autem de lapidibus. Sunt 
autem animalia quae natura a Christo prona alque ventri obedientia; 
in hoc denotatur pueritia. Sunt etiam volucres in altum volanles, quo 
designanlur homines coelestia meditantes. Et natura est lapidis quod 
per se est immobilis; ita nobis cum superis sit Deus inelfabilis. 
ü") Eine ungewöhnlich gelehrte französische Dame, Frau Felicie 
dhäyzac, will sogar (in einem in Cesar Daly's Revue de PArcIIitEeture, 
IV. 24
        

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