Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das eigentliche Mittelalter
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-919364
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-919910
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Ascetik. 
Hierzu 
kam 
der 
Einfluss 
der 
Klöster. 
Man 
darf 
gern Alles zugeben 7 was für die Nothwendigkeit und 
Nützlichkeit dieser Institute im Mittelalter gesagt ist; 
sie waren die Stätten der Bildung, wohlthätige Zuflucht 
für den Bedrängten und Lebensmüden, manches wahrhaft 
fromme Gebet mag aus ihnen einporgestiegeil sein. Aber 
für die Beförderung der Sittlichkeit waren sie und-der 
Glaube an die Verdienstlichkeit strenger Eilthaltung, der 
ihnen zum Grunde lag, und durch sie genährt wurde, 
unwirksam. Dieser Glaube stand mit der Sinnlichkeit 
selbst im innigsten Zusammenhange. Je höher der Mensch 
sinnliche Genüsse schätzt, desto mehr bewundert er die 
Kraft, auf sie zu verzichten. Daher in dieser Zeit, wo das 
rohe kriegerische Leben die Begierden steigerte, der Hei- 
ligenschein, welcher die Entsagung, die Ehelosigkeit, 
die Fasten, die Kasteiung umgab. Aber die Entbehrung 
erhöht den Werth des Versagten, die Kasteiung reizt 
die Begierde, und diese Strenge wirkte daher ihrer 
Absicht entgegen. Weltpriester und Laien gaben sich 
nach dem Fasten schwelgerischeii Genüssen hin und die 
Mönche verzehrten ihre Kraft in dem sich immer wieder 
erneuernden Kampfe gegen die Sinnlichkeit. 
Man sollte glauben, dass das Klosterleben ein frucht- 
bares Feld für tiefe Selbstprüfung geworden wäre. 
Die schwere Aufgabe, sich ganz dem Ilerrn zu weihen, 
sollte zu der Entdeckung geführt haben, mit welcher 
Schlangengewandtheit die Selbstsucht sich in alle unsere 
Empiindungen einschleicht; in den innern Kämpfen gegen 
diesen geheimen Feind hätte man bis in die tiefsten 
Falten des Herzens eindringen müssen. Von alle dem 
Endet sich bei den mönchischen Schriftstellern wenig 
oder nichts. Vielmehr zeigen" die beigebrachten Bei-
        

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