Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das eigentliche Mittelalter
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-919364
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-923326
Symbolische 
Bedeutung 
der 
Thiere. 
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Archäologen wollen, bei jeder der unzähligen Gestalten 
dieser Art in der Architektur und Plastik des Mittelalters 
eine Bedeutung annehmen, allein in vielen Fällen wvar 
allerdings eine solche beabsichtigt. Dahin gehören zu- 
nächst die altchristlichen, durch das Herkommen gehei- 
ligten Symbole des Lammes für den Heiland und der 
'I'hierzeichen für die Evangelisten; allein schon die anderen, 
aus derselben Quelle stammenden symbolischen Thiere 
z. B. die Taube, der Löwe, der Pfau u. s. w. werden 
wohl zuweilen, aber keineswegs immer mit einer sym- 
bolischen Beziehung gebraucht. Im Ganzen scheint es, 
dass 'l'hiergestalten im Mittelalter nicht leicht als Symbole 
für heilige Wesen gebraucht wurden; schon die Ehr- 
furcht vor der Tradition gestattete nicht, das Heilige in 
anderer, als hergebrachter Gestalt zu behandeln k). Freieren 
Spielraum hatte die allegorisirerlde Phantasie auf dem Ge- 
biete des Bösen. Die bekannte halbthierische Gestalt 
des Satan mochte sich in der Vorstellung des Volkes 
schon länger ausgebildet haben, fand aber in der Kunst 
erst später Eingang. Dagegen liebte man frühe den bösen 
Feind oder die einzelnen Laster unter wirklich thierischer 
 In der oft vorkommenden Sirene glauben französische Ar- 
chäologen ein Symbol entweder der durch die Taufe gereinigten Seele 
oder der göttlichen Gnade zu erkennen (Piper a. a. 0. S. 385). Allein 
diese aus dem Alterthum überlieferte und derWunderliebe des Mittel- 
alters zusagende Gestalt hat entweder keine Bedeutung oder die 
antike der "Verlockung," gegen welche auch der Christ sein Ohr 
verstopfen muss. S0 wird sie auch im Texte der Herrad von Lands- 
perg (Vgl. Engelhardt a. a. 0. S. 46) ausgelegt. In gewissen Fällen 
kommt sie jedoch in einer Weise vor, welche diese Auslegung nicht 
gestattet und auf eine schwer zu errathende Symbolik schliessen 
lässt. So namentlich am Nordportale der Stephanskirche zu Beauvais, 
wo im Tympan selbst der Kopf einer gekrönten Frau zwischen zwei 
solchen Meerfräulein hervortrilt. Eine Abbild. b. Taylor u, Nodier, 
voy. dans Pancienne France (Picardie).
        

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