Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das eigentliche Mittelalter
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-919364
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-923310
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Plastik 
und 
Malerei. 
von dem die Apokalypse (4, 2) spricht, und die Glorie 
ist mithin nur eine Abbreviatur der Wolken oder des im 
freien Raume von der ganzen Gestalt ausgehenden Glan- 
zes i). Zuweilen traten auch Unterschiede der Farbe 
bei den verschiedenen Klassen der Heiligen ein. S0 
haben im Hortus deliciarum der Herrad von Landsperg 
die Apostel, Märtyrer und Bekenner einen goldenen, die 
Propheten und Patriarchen einen silbernen, die Seligen 
nach Maassgabe ihrer Tugendleistungen einen rothen, 
grünen oder gelben Nimbus. Gewöhnlich begnügte man 
sich aber allen Bewohnern des Himmels den gleichen 
Kranz zu geben, der dann bei farbigen Darstellungen 
meistens golden oder blau waritd). 
Ein wichtiger Gegenstand symbolischer Deutung sind 
demnächst die T hiere. Man darf zwar nicht, wie einige 
 Zuweilen hat die Glorie auch die Form eines vierblättrigen 
Kleeblattes, was indessen ohne Bedeutung, bloss eine architektonische 
Umgestaltung ist. Wegen ihrer ovalen Gestalt wird sie oft Mandel 
(besonders in Italien) genannt. Man könnte daran erinnern, dass die 
Dreieinigkeit mit: der Mandel verglichen wurde, die aus Faser, Schale 
und Kern besteht, (Grimm. goldne Schmiede. S. XXX.) Indessen 
wahrscheinlich ist daran ebensowenig gedacht, als an die mystische 
Fischblase (Vesica piscis), von der besonders englische Archäo- 
logen (Kerrich in der Archiiol. britt. XlX. 37) und auch v. Hammer 
(Wiener Jahrb. Bd. '78 S. 49) viele Worte gemacht haben. Auf 
Siegeln kommt übrigens eine ähnliche ovaleEinfassung, otfenbar ohne 
alle Bedeutung vor. 
 Der Name Corona wurde im Mittelalter behalten; da der 
Heiligenschein aber gewöhnlich nicht in Form eines Kranzes oder 
Reifes, sondern einer Scheibe angewendet wurde, so erklärte man 
ihn auch als das Bild eines Schildes, mit welchem Gott seine 
Heiligen schütze. Herrad von Landsperg (bei Didron Icon. p. 290) 
verbindet beide Erklärungen: Lumina quae circa caput sanctorum in 
modum circuli depinguntur, designant quod lumine aeterni splendoris 
coronati fruuntur. ldcirco vero secundum formam rotundi scuti pin- 
guntur, quia divina protectione ut scuto innniuntur. Aehnlich Wilh. 
Durand. Rationale div. otI. lib. I. c. 3.
        

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