Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das eigentliche Mittelalter
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-919364
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-923244
Symbohk 
des 
Raums. 
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bedurfte der anderen, die Plastik der architektonischen 
Grundlage, die Architektur, da ihre Formen eine bestän- 
dige Fortsetzung gestatteten, des bildnerischen Schmußks 
um ihren endlichen Abschluss zu bezeichnen. Die Archi- 
tektur trug den Keim dieser Plastik in sich. Besonders 
deutlich ist dies am gothischen Style; die Vertißalen Glieder 
sind schon fast Individuen, sie sprechen in ihren weichen, 
zum Bogen entfalteten Formen die Hingebung freier 
Wesen aus und die symmetrische und perspeclivische 
Verbindung dieser Glieder giebt denselben Gedanken der 
Einheit wie jene Gruppe. Beide Künste sagen dasselbe 
nur in anderer Sprache, die plastische Gruppe in der des 
Lebens, die architektonische in abstracter Form. 
Diese Gruppen bestanden zwar aus einzelnen Statuen, 
die aber, da sie einem grösseren Ganzen angehörten und 
nur von vorn, nicht vom Rücken sichtbar waren, fast den 
Eindruck eines Reliefbildes machten, und zwar eines 
nach völlig malerischen Rücksichtenxperspectivisch an- 
geordneten. Diese malerische Tendenz zeigte sich nun 
am eigentlichen Relief noch mehr ausgebildet. Schon 
inder altchristlichen Kunst hatte man, wie wir gesehen 
haben, den antiken Reliefstyl, welcher die Figuren im 
Profile und in fortschreitender Richtung zeigte, verlassen, 
und die Gestalten in der Vorderansicht und symmetrisch 
neben einer Mittelfigur aufgestellt. Im Mittelalter ging 
man viel weiter, statt dass dort die Gestalten noch auf 
einer Linie standen, wurden jetzt mehrere Reihen 
übereinander angebracht, so dass sie mehrere in ver- 
schiedenen Entfernungen sich zutragende Ereignisse gleich- 
zeitig, also wie in der perspectivischeu Uebersicht eines 
Weiten Raums darstellten. Diese Veränderung der Form 
hing mit der Veränderung des religiösen Standpunktes
        

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