Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das eigentliche Mittelalter
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-919364
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-923220
Das 
architekt. 
Element 
Auffassung. 
357 
Endlich zeigte sich an der Architektur die wichtigste 
Anwendung des geometrischen Elements, nämligh die auf 
die Anordnung der Gruppen. Wir sahen schon in der 
Architektur selbst die Tendenz, Gruppen zu bilden; dies 
war auch das Ziel der Plastik. Für alleinstehende Statuen 
war sie so lange sie den Ausdruck vollendeter Individua- 
lität nicht zu geben vermochte, weniger geeignet, wohl 
aber konnte sie eine bedingte, auf Andere hinweisende 
und an sie sich anschliessende Schönheit ausbilden. Sie 
entsprach dadurch der christlichen Anschauung, die nicht 
einzelne Götter und I-Ieroen, sondern nur Scharen gleich- 
artiger Gestalten, Engel und Heilige, Apostel und Pro- 
pheten, Märtyrer und Bekenner vor Augen hat, und selbst 
die Gottheit nicht einsam betrachtet. Diese christliche 
Gruppe war aber eine ganz andere als die, welche in 
der letzten griechischen Epoche aufkam, und die körper- 
liche Verschlingung von Gestalten im Drange eines ent- 
scheidenden Moments darstellte. Sie glich auch nicht 
jenen Giebelgruppen der älteren griechischen Kunst, bei 
denen doch immer eine äussere Handlung zum Grunde 
lag, welche sich nur den äusseren Schranken des archi- 
tektonischen Raumes figte. Sie hatte vielmehr die Auf- 
gabe, ein ruhiges Beisammensein, innerliche Beziehungen 
und Verhältnisse zu versinnlichen, was nur durch die 
Stellung der Gestalten zu einander angedeutet werden 
konnte. Hiedurch bekam der Raum an sich, der geo- 
metrische Grund- und Aufriss der Gruppe, eine eigen- 
thümliche Bedeutsamkeit. Eine gewisse Symbolik des 
Raums liegt in der Natur der Dinge, die Sprache aller 
Völker bezeugt sie, indem sie die Begriffe von Höhe, 
Niedrigkeit u. s. f. auf geistige Beziehungen anwendet, 
und auch die bildende Kunst hat sie stillschweigend immer
        

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