Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das eigentliche Mittelalter
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-919364
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-923204
Auffassung 
Natur. 
der 
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"concentrischen Strichen. Dieser Styl stand noch halb 
auf antikem Boden, indem er das Princip der Individua- 
lität beibehielt und die demüthige Auffassung des Menschen, 
welche das Christenthum lehrt, darauf anwendete. Die 
geometrische Regel erschien daher hier wie ein äusser- 
licher Zwang, und das Bild gab nur den Ausdruck der 
Abtödtung, nicht der Verklärung des Lebens. Dies änderte 
sich, sobald die Sculptur in nähere Verbindung mit der 
Architektur trat. Denn nun erschien es, wenn die geo- 
metrische Strenge der architektonischen Gliederung die 
plastischen Gestalten mit ergriff, nicht als eine willkür- 
liche Härte, sondern als eine durch die Würde des Orts 
hervorgerufene Feierlichkeit. Zugleich aber wurde das 
Auge hier auf die wahre Bestimmung der architektoni- 
schen Regel und auf ihren Gegensatz gegen die Natur 
aufmerksam gemacht, und das Gefühl suchte mehr und 
mehr jedem die richtige Stelle anzuweisen. Dadurch 
entstanden Werke von zwar strenger aber würdiger 
Haltung, von feierlichem aber doch schon Bewegung 
andeutendem Faltenwurfe, mit geregelten, aber doch schon 
ausdrucksvollen Zügen, in denen sich die- strenge Schön- 
heit der architektonischen Linie mit dem einfach aber 
grossartig ausgedrückten Gedanken des Gegenstandes ver- 
bindet. Es ist etwas Aehnliches wie in dem hieratischen 
Style der Griechen, nur strenger, mehr zum Schreckenden 
hinneigend. Für die ernsten kirchlichen Aufgaben in der 
Auffassung der Zeit war daher dieser Styl nicht unge- 
eignet, selbst die höchste von allen, die Darstellung des 
Weltenrichters am jüngsten Tage, hat darin zuweilen, unge- 
achtet und sogar vermittelst der im naturalistischen Sinne 
unvollkommenen Zeichnung eine Hoheit und Würde, Welche 
uns ergreift, wie die Schilderung des „Rex tremendae 
23'
        

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