Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das eigentliche Mittelalter
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-919364
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-923130
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Plastik 
und 
Malerei. 
Sryl zeigt sich am günstigsten in der Plastik, der rohe 
am erträglichsten in der Malerei. 
Dieses Schwanken ist die Ursache, dass Viele die 
Einheit des Stylgedankens in dieser Kunst völlig ver- 
kannt haben. Selbst die meisten Kunstgeschichtschreiber, 
namentlich die früheren und noch heute die Italienerii) 
suchten daher das Interesse dieser Periode nur darin, dass 
ihre schülerhaften Leistungen die Grösse der zu über- 
windenden Schwierigkeiten, den langsamen Gang des 
Aufsteigens aus der Barbarei zeigen, und uns empfäng- 
licher und dankbarer für die Verdienste der modernen 
Kunst machen könnten. Sie erklärten dann die lange Dauer 
dieser Entwickelung durch die auf der Kunst lastende 
Herrschaft der Kirche, Welche den Nachahmungstrieb 
unterdrückt und den freien Hinblick auf die Natur ver- 
kümmert habe, oder durch den Stumpfsinn eines ver- 
Wilderten Geschlechts, welches die Schönheit der Antike 
nicht verstanden habe und dadurch auf Abwege gerathen 
sei. Beides ist gleich falsch, aber die Vorurtheile, die 
dieser irrigen Ansicht zum Grunde liegen, sind so tief 
eingewurzelt, dass sie noch heute auf die Urtheile über 
einzelne Kunstwerke einen Einfluss ausüben. Ihre Wider- 
legung mag uns daher den Weg zum richtigeren Ver- 
ständniss dieser Kunstepoche bahnen. 
Allerdings stand die Kunst des Mittelalters in ge- 
wissem Sinne im Dienste der Kirche; ihre Darstellungen 
enthielten meistens nur heilige Gegenstände oder Wurden 
an Kirchen angebracht, und selbst Bilder aus dem gemeinen 
Leben standen gewöhnlich in einem Zusammenhange, 
i) z. B. Bosini, Cicognara und der in seinen Kunstansichtexl 
völlig italienisch gebildete Agincourt. Allerdings hat für Italien 
diese Ansicht eine gewisse Wahrheit.
        

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