Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das eigentliche Mittelalter
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-919364
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-923124
Styl 
der Darstellung. 
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vielmehr finden wir mannigfaltig verschiedene, schwankende 
Formen, deren innere Einheit sich dem Auge des spä- 
teren Betrachters leicht entzieht. Bei einer Umsicht unter 
den Bildwerken unterscheiden wir auch hier, wie bei den 
Gebäuden, drei verschiedene Klassen; die eine zeigt 
noch eine vorherrschende Styllosigkeit, schwankende, 
rohe, gewaltsame Formen, in denen uns zuweilen ein 
naives Gefühl für Naturwahrheit anzieht, oft aber auch 
die Unschönheit und Unrichtigkeit abstösst; an der zwei- 
ten fallt uns die strenge, mehr oder weniger steif geregelte 
Zeichnung auf, die oft auf einer falsch verstandenen Nach- 
ahmung römischer oder byzantinischer Vorbilder beruht, 
manchmal aber auch eine höhere, geistige Bedeutung hat 
und den Ernst kirchlicher Darstellung nicht unwürdig 
ausdrückt; bei der dritten endlich finden wir eine freie, 
weiche und doch von einer gewissen architektonischen 
Regel beherrschte Form, die manche Vorzüge hat und 
die Eigenthümlichkeit des Mittelalters am vollkommen- 
sten ausspricht, aber doch noch, wenn man sie mit der 
Natur vergleicht, an Unbestimmtheit leidet und das indi- 
viduelle Leben, die Schönheit, Kraft und Charaktertiefe 
der menschlichen Natur keinesweges erschöpft. Ich werde 
der Kürze halber diese drei Klassen mit den Namen des 
rohen, des strengen und des freien Styls bezeichnen. 
Der letzte hängt mit dem gothischen Style der Archi- 
tektur zusammen, bildete sich erst durch die Einwirkung 
desselben aus und verdrängte die beiden anderen. Diese 
aber stehen nicht grade in chronologischer Folge, sondern 
wurden an verschiedenen Orten oder auch in derselben 
Gegend von verschiedenen Künstlern gleichzeitig geübt, 
je nachdem das Bedürfniss der Regel oder das Bestreben 
nach natürlicher Lebendigkeit vorherrschte. Der strenge
        

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