Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das eigentliche Mittelalter
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-919364
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-923028
Miniatur 
und 
Wandmalerei. 
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den alten den Vorzug der Dauerhaftigkeit, Solidität und 
Präcision mehr oder weniger einräumen müssen, 
Einen Beweis der Ausdehnung und Gründlichkeit 
dieser technischen Studien giebt uns die merkwürdige 
Schrift eines Priesters und Mönchs T h eo phil u s ü), wahr- 
scheinlich aus dem elften oder zwölften Jahrhundertiiii), 
in welcher umständliche Vorschriften für die meisten 
Zweige der Sculptur und Malerei aufgezeichnet sind. Man 
findet dort schon manche Hülfsmittel angegeben, deren 
Kenntniss in so früher Zeit überrascht i'm) und aus denen 
sich erst viel später neue Kunstzweige entwickelten. Man 
erstaunt aber auch über die mühsamen und schwierigen 
Handarbeiten, welche der Künstler zu leisten hatte.  
Dieser klösterliche Fleiss kam den kleineren Werken 
mehr als den grösseren zu Statten. Zunächst und am 
häufigsten zeigt er sich in den Miniaturen der Codices, 
i") Die neueste Ausgabe: Theophile, prätrel et meine, essai sur 
divers arts (diversarum artium schedula) traduction accompagnee du 
texte latin, par M. de llEscalopier, Paris 1843, in 4. Vgl. Annal. 
arrhäol. Vol. I. p. 135. V01. IV. p. 148. Ein anderes, jedenfalls etwas 
älteres Werk ähnlichen Inhalts: De coloribus et arlibus Romanorum, 
von einem Italiener Heraclius, (mitgetheilt bei Baspe, A critical essay 
on oilpainting, London 1'781) ist weniger bedeutend. Vgl. Kugler, 
Handb. d. Gesch. d. Mal. 2. Ausg. S. 176. 
M) Lessing, der bekanntlich zuerst auf die Wichtigkeit dieser 
Schrift aufmerksam machte, verlegt ihre Entstehung in das neunte, 
Während die in der vorigen Anmerkung genannten französischen 
Archäologen sie in das dreizehnte Jahrhundert setzen. Die Wahrheit 
scheint mir nach manchen Gründen, deren Entwickelung hier zu weit 
führen würde, in der Mitte zu liegen. 
N") Lessing: Vom Alter der Oelmalerei aus dem Theophilus 
Presbyter 1774, indem er die Erwähnung der Farbenmischxmg mit 
Oel in dieser alten Handschrift nachwies, bestimmte sohon richtig, 
dass dadurch das Verdienst. der Gebrüder van Eyck um die Erfin- 
dung der Oelmalerei nicht geschmälert werde. 
IV. 22
        

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