Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das eigentliche Mittelalter
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-919364
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-922928
Wahre 
der 
Bedeutung 
Quadratur. 
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derselben Weise ein Zwölfeck. Dies ist die sogenannte 
Triangulatur, ohne Zweifel eine spätere Erfindung, 
weil sie auf die Formen des guten Styls selten oder nie 
Anwendung leidet, sondern nur auf die Künstelejen, 
welche man im fünfzehnten und sechszehnten Jahrhundert, 
und auch da mehr an Tabernakeln und sonstigen Zier- 
werken als an wirklichen Bauten, anbrachte. 
Obgleich hienach Quadratur und Triangulatur unge- 
achtet ihrer volltönenden Namen wirklich nichts anderes 
als mechanische Hiilfsmittel für die Construction von 
Polygonwinkeln und schwierigeren Gliederungen waren  
ist es dennoch begreiflich, dass sie dem einfachen Stein- 
metzen, der ihre Gründe nicht kannte, räthselhaft und, 
da sie ihn zu feinen und künstlichen Arbeiten wunderbar 
befähigten, wie ein Arcanum erschienen, und dass diese 
Ueberschätzung in der Zeit des Verfalls zunahm. Man 
glaubte durch diese Kunstgriffe den alten Meistern gleich 
zu kommen, und bemerkte nicht, dass die Kraft der 
künstlerischen Erfindung dadurch gelähmt wurde. Gesa- 
riano, der in den letzten Tagen gothischer Bauthätigkeit 
von den am Mailänder Dome beschäftigten deutschen 
Werkleuten ihre Regeln erfragte, suchte als ein gelehrter 
Architekt sie auf Grnndprincipien zurückzuführen und 
gab ihnen eine noch anspruchsvollere Gestalt, als sie bei 
i") Holfstadt behauptet, dass die "Quadratur" wenigstens inso- 
fern dem gothischeil Bau zum Grunde läge, als das Grössere zum 
Kleineren sich durchweg verhalte, wie die Diagonale zur Seite des 
Quadrats. Wo man grössere Steigerung wünschte, habe man das- 
selbe Gesetz in weiterer Potenz angewendet, und also die Diagonale 
des Diagonalenqtiadrats als Maassstab gebraucht. Auch dies künst- 
liche und willkürliche Gesetz möchte, wenn überhaupt, nur in der 
spätesten Zeit, und auch da nur in beschränktem UrgTange, angenommen 
worden sein. Bei allen wesentlichen Verhältnissen (z. B. bei 
denen des Grundrisses) tritft es niemals zu.
        

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