Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das eigentliche Mittelalter
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-919364
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-922889
'l'riangulatur 
und 
Quadratur. 
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anzupassen. Bei dem Mailänder Dom, in seiner fünf- 
schifligen und mithin breiten, der italienischen Architek- 
tur sich annähernden Form liess sich die Anwendung 
des gleichseitigen Dreiecks noch allenfalls denken, bei 
den schlanken, steil aufstrebenden Massen französischer 
oder deutscher Dome der besseren Zeit wird aber ein 
solcher Versuch völlig misslingen. Will man diese auf 
Dreiecke reduciren, so sind es nicht gleichseitige, son- 
dern hohe, auf kleiner Grundlinie stehendex). Je mehr 
man sich aber mit der Construction und dem Geiste der" 
alten Meister vertraut macht, desto mehr muss man der 
Annahme einer solchen Grundfigur widersprechen. Der 
Architekt hat in den äusseren Verhältnissen in der Be- 
schaffenlreit des Materials und des Raumes, in der Sorge 
für Sicherheit und Dauerbarkeit vielfache Schwierigkeiten, 
er bedarf seiner vollen Freiheit um sie zu überwinden. 
Die Verpflichtung auf eine stets gleichbleibende Grund- 
form würde ein Hinderniss, nicht ein Hülfsmittel zur 
Lösung seiner Aufgabe werdenw). Die gothische Archi- 
tektur, grade weil sie complicirter War als andere und 
mehr Rücksichten nehmen musste, brauchte diese Freiheit 
noch mehr und liess sie sich wahrlich nicht rauben. 
Die Bedeutung dieser Geheimnisse ist in der That 
k) Dass Boisserde, der würdige Herausgeber des Kölner Domes, 
sich dieser Lehre geneigt zeigt, wird dadurch einigermaassen be- 
greillich, dass auch dieser Dom fiinfschiflig ist und dadurch breitere 
Verhältnisse hat. 
i") Sehr gut sagt Felix de Verneilh in den Annales archäo- 
logiques VII. p. 57 in Beziehung auf Boissereeis "Religion du triangle 
equilateral": Cerles, Parchitecle de Cologne en fixant le diamlzlre 
des colonnes a eu egard ä Pelevation et ä 1a pesanteur des voutes 
ainsi qu'il la nature ou ä Ia force des materiaux, bien plus qu'il 
n'importe quel triangle. Dresser le plan dWPPäS 16 Principe du triangle 
äquilateral, c'est un tour de force comme un autre, c'est une en- 
trave plutöt quiune source düzarmonie.
        

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