Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das eigentliche Mittelalter
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-919364
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-922833
318 
Grundmaass. 
Allgemeinen gebotenen Dimensionen in solcher Weise 
iixirten d). Daher dient denn auch nicht immer dieselbe 
Linie als Grundmaass, und die Verhältnisse der Anwen- 
dung sind bei jedem Gebäude selbstständig bestimmt. Die 
Meister des Mittelalters verhielten sich dabei ebenso, 
wie die antiken Architekten, welche auch nur ungefähr 
gewisse Proportionen beobachteten, und weit entfernt 
waren, sich an die engen Vorschriften, welche die spätere 
Theorie aus ihren Werken abstrahirt hat, ängstlich zu 
binden. Das Mittelalter ist aber noch freier, weil der 
Typus des Baues reicher und schwieriger ist. Hier 
herrscht daher nicht einmal in dem Grade wie in der 
 Sehr schiilzbare Untersuchungen in dieser Beziehung giebt 
Bernhard Gräber, Vergleichende Sammlungen für christlich mittel- 
alterliche Baukunst 2. Theil: Die Constructionslehre; Augsburg 1841. 
Als Beispiele für die Art dieser Verhältnisse führe ich daraus zwei 
Kirchen an, die berühmte Elisabethkirche zu Marburg und die Kirche 
zu Altstadt in Bayern. Bei jener ist der Pfeilerabstnnd oder die 
Breite des Seitenschitfes, beides von der Pfeilerachse gerechnet, die 
Einheit  sie tindet sich verdoppelt als Breite des MittelschitTs 
und Höhe des Hauptportals  vierfach als (lichte) Breite des 
Langhauses und (innere) Gewölbhöhe  achtfach als Länge des 
Kreuzschitfes mit den Strebepfeilern, mithin als grösseste Breite der 
Kirche  sechsfach als Giebelhöhe  endlich zwölffach als 
innere Länge mit Inbegriff des Portals, dreizehnfach als iiussere Ge- 
sammtlänge (234?) und fünfzehnfach als Thurmhöhe  Bei 
der (mir übrigens unbekannten) älteren, im Uebergangsstyle gebauten 
Kirche zu Altstadt ist. dagegen die Breite des Mittelschitfs von einer 
Pfeilerachse zur andern die Einheit d. h. nur ihre Zahl hat zu- 
den verschiedenen anderen Maassen ein genaues Verhältniss. Sie be- 
trägt 30' und eben soviel dieI-löhe der Pfeiler, beides in den Seiten- 
Schiffen die Hälfte  ehensoviel der Pfeilerabstand von Achse zu 
Achse und die Tiefe der halbkreisförmigen Chemische; die Dicke der 
Pfeiler endlich ein Fünftel (W) und daher die Breite desMittelschiifes 
im Lichten vier, die der Seitenschilfe zwei Fünftel  und  
Die ganze innere Breite endlich giebt das Doppelte  die ganze 
Länge das Vierfache (120') jener Einheit.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.