Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das eigentliche Mittelalter
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-919364
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-922817
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Grundzahl. 
sechs oder acht, da der dreiseitige Schluss aus dem 
Sechs oder Achtecke genommen zu sein pflegt, bei einem 
fünf- oder siebeuseitigen aber die Zahl dieser ange- 
wendeten Seiten, fünf oder sieben, und nicht die des 
Polygons, zehn oder zwölf, als Grundzahl gelten z). Die 
Anwendung der so gefundenen Grundzahl auf die anderen 
erwähnten Theile soll dann ferner auch nicht immer in 
derselben Weise erfolgt sein; bald soll sie sich an einer 
Pfeilen-reihe, bald an beiden zusammen, bald in der 
ganzen Länge der Kirche, bald nur bis zum Anfange 
oder bis zum Schlusse des Kreuzschiffes linden. Allein 
selbst bei dem grossen Spielraume, den diese verschiedenen 
Combinationen gewähren, lässt sich die Durchführung der 
vermeintlichen Grundzahl bei den bedeutendsten und durch- 
dachtesten Constructionen nicht nachweisen, Wie dies 
selbst die Vertheidiger dieser Hypothese zugestehen 
müssen  In der That ist wenig oder gar kein Gewicht 
darauf zu legen. Die Natur der Sache, die Bedingungen, 
welche sich aus derHaltbarkeit des Materials, dem kirch- 
lichen Zwecke und anderen nothwendigen Rücksichten 
ergaben, stellten ohnehin für die Zahl dieser Theile 
ziemlich enge Gränzen. Der Polygonseiten am Chor- 
schlusse konnten nicht weniger als drei, nicht füglich 
 Stieglitz. Gesch. d. Bauk. S. 338 u. Beiträge ll. S. 50. 
M) Hoifstadt (goth. A. B.C. S. 175 if.) fiihrt für den Satz, dass sich 
die Zahl der Schäfte nach der Grundzahl des Chores richte, sechs 
Beispiele an, darunter aber auch den Freiburger und Wiener Dom, 
obgleich bei beiden der Chor viel jünger ist als das Schilf und mithin 
höchstens jenes nach diesem geregelt sein kann, wodurch, namentlich 
wenn man an die Geschichte beider Kirchen denkt, die Bedeutung 
der Grundzahl verloren geht. Zugleich giebt er aber auch eine Reihe 
von Beispielen, wo seine Regel nicht zutrilft, und darunter so be- 
deutende, wie die Elisabethkircbe in Marburg und die Dome zu Köln 
und zu Meissen.
        

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