Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das eigentliche Mittelalter
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-919364
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-922775
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Freimaurerische 
Lehren. 
Lehre bewahrt worden sei. Alles spricht vielmehr da- 
gegen; ihre Ordnungen schärfen es ein, dass die Glieder 
der Genossenschaft regelmässig zur Beichte gehen und 
das Sakrament des Abendmahls feiern, sie haben, wie 
andere Institute, ihre Schutzheiligen"); sie zeigen sich 
daher als gute katholische Christen, wie denn im Mittel- 
alter kaum_ eine andere Ansicht bleibend möglich war. 
Die Annahme yabwveichender religiöser Lehren, eines Zu- 
sammenhanges der Bauvereine mit älteren Mysterien oder 
Secten ist also völlig unerwiesen und dem Geiste des 
Mittelalters widersprechendw). Will man aber auch, 
und diese Gestalt nimmt es bei Anderen an, die Behaup- 
tung des Geheimnisses darauf beschränken, dass es nicht 
in religiösen, häretischen Doctrinen, sondern in einer phi- 
losophisch-künstlerischen Symbolik bestanden habe, dass 
„etwa die Erkenntniss der Natur, ihrer Kräfte und 
"Wirkungen, vorzüglich die Wissenschaft von Zahl und 
„Maass und die rechte Anwendung dieser Erkenntniss 
 Hier die s. g. vier gekrönten Meister, der Legende nach 
Baumeister oder Bildhauer, welche der Kaiser Diocletian grausam 
tödten liess, weil sie verweigerten, ein Götzenbild zu fertigen. Vgl. 
Aurea Legenda (ed. Grässe) cap. 164 S. 739. 
i") Bei den Engländern tritt diese Ansicht am Entscliiedensten 
auf, hat aber vermöge der mehr realistischen Weise der Briten auf 
die Archäologie wenig oder gar keinen Eintluss und überschreitet ge- 
wissermaassen nicht den Kreis der Freimaurerei. Bei den Deutschen 
wird sie unbestimmter vorgetragen, ist dagegen mehr auf die Kunst 
selbst angewendet. So erscheint sie besonders in den Schriften von 
Stieglitz (von altdeutscher Baukunst, Leipzig 1820, Gesell. d. Bank. 
Nürnberg 1827, S. 340 11'. Beiträge z. G. d. B. Leipzig 1834. II. S. 
85 tf. und Ersch und Gruber Encycl. VII. S. 141) und ist wunder- 
barer Weise auch in Leo's Lehrb. der Gesch. d. M. A. Halle 1830, 
S. 393 adoptirt. Am wenigsten sind die Franzosen von dieser An- 
siclit berührt; nur Daniel Ramee (I-Iist. de Parch. II. 283. und in 
Chapuws Moyen age monumental) hat sich an Stieglitz angeschlossen.
        

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