Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das eigentliche Mittelalter
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-919364
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-922696
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Die 
Bauhütte. 
vertrat und sonst bei Anordnung und Vertheilung, bei der 
täglichen Eröffnung und Beendigung der Arbeiten als 
unmittelbarer Vorgesetzter der Gesellen erscheint. Ferner 
ist für den Gang der zunftmässigen Ausbildung gesorgt, 
die Lehrjahre, die Bedingungen, unter welchen Lehrlinge 
zu Gesellen befördert werden können, sind bestimmt, und 
es ist sorglichst vorgeschrieben, dass kein Meister einen, 
der nicht genugsam bei einem Steinmetzen gedient hat, 
im Steinwerk gebrauche und in der Kunst unter-weise. 
Der Meister selbst wird bei einem grossen neuen Bau 
vom Bauherrn erwählt; kommt er aber in ein bereits be- 
gonnenes Werk, so müssen zwei bewährte Meister für 
ihn sprechen, dass er dem Baue vorstellen könne. Ihm 
wird Gerechtigkeit empfohlen, er darf nicht nach Gunst 
oder gar für Geschenke und Gaben Beförderungen er- 
theilen, keinem anderen Meister ein Werk oder seine 
Gesellen entziehen. Eine Reihe von Vorschriften zielen 
dann auf Erhaltung christlicher Frömmigkeit und Ehrbar- 
keit. Der Meister soll nichts Sträiiiches dulden, Gehorsam 
und gute Sitte aufrecht erhalten. Wer nicht jährlich 
zur Beichte geht, wer ein unredlich Leben mit Frauen 
führt, sich dem Spiel ergiebt, ist auszuschliessen; klei- 
nere Verstösse werden durch Zurücksetzung gebüsst, 
Schuldenmachen wird gerügt und nach vergeblich ver- 
laufener Frist ebenfalls mit Ausschliessung bestraft. Ein 
wesentlicher Theil der Statuten betrifft die Uebung der 
eigenen Gerichtsbarkeit. Fremde Richter sollen bei Strei- 
tigkeiten der Zunftgenossen nicht angerufen werden, es 
betreffe Steinwerk oder andere Sachen; der Kläger melde 
dem Französischen und nennt das Oberhaupt der Gesgllen den 
Sprecher, weil durch seinen Mund die Anordnungen des Meisters 
verkündet wurden.
        

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