Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das eigentliche Mittelalter
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-919364
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-919821
Associationsprixlcip. 
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Lösung führen werde. Man sprach es nicht so aus, aber 
man dachte _sich das Leben der Christenheit wie einen 
organischen Körper , in Welchem grade durch die 
Trennung zweier Potenzen de? Umlauf der Säfte um so 
reger betrieben wird. Und wirklich war es so, Kirche und 
Staat, wie Geist und Körper einander entgegengesetzt 
und doch entsprechend, erhielten sich wechselseitig in 
Spannung und Thätigkeit; jede war der andern unent- 
behrlich. Die unbedingte Niederlage der einen hätte die 
Siegerin zurTyi-annei und dadurch zu ihrem Sturze geführt. 
Dass es dahin nicht kam, verdankten beide nicht der 
Weisheit ihrer Leiter, sondern ihrer innern Organisation. 
In der Kirche wie im Staate gab es nicht bloss eine Un- 
terordnung, sondern auch andere nicht minder feste Ver- 
bindungen. Auf allen Abstufungen des Ranges schlossen 
sich die Gleichgestellten enge aneinander an; aus der 
gleichen Thätigkeit und der Wahrung gemeinsamer Rechte 
entstand ein Gefühl der Verbrüderung, das inniger war 
als das Band des Gehorsams gegen den Obern. So bil- 
deten die Vasallen desselben Lehnsherrn, die Geistlichen 
jedes Stiftes und Bisthums, theils durch ausdrückliche 
Satzung theils durch innere Verwandtschaft, Genossen- 
schaften, welche sich dann wieder mit andern gleich- 
gestellten Genossenschaften innerlich verbunden fühlten 
und so sich durch die ganze Christenheit fortsetzten. 
Dadurch wurde die Kraft der Herrschenden geschwächt, 
aber auch ihrer Willkür gesteuert, und die Gefahr, die 
aus dem Widerstreit der beiden grossen Gewalten elli- 
stand, gemildert. Denn da jeder Einzelne zugleich Christ 
und Unterthan, der Kirche und dem Staate verpflichtet 
war, so hatten die Gebietenden eine wohltllätige Söllranke 
in dem Gewissen ihrer Untergebenen. Die öffentliche 
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