Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das eigentliche Mittelalter
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-919364
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-919796
Rittcrthuln. 
soviel auf Erden möglich, in äusserer sichtbarer Gestalt 
aufgerichtet werden. 
Es schien in der That in manchen Augenblicken, als 
ob dies System zur Wahrheit werden würde; der Kaiser 
beugte sich, die Widerstrebende Priesterschaft musste sich 
strengerem Gehorsam fügen, die gesammte Christenheit 
erglühte in Begeisterung zu frommer That. Allein gerade 
auf diesem Höhenpunkte trat eine Gegenwirkung ein. 
Schon längst hatte die Frage, wie sich das Waffen- 
handwerk mit christlicher Gesinnung vereinbaren lasse, 
viele Gemüther beunruhigt; man näherte sich einer 
willkommenen Lösung, indem man es als einen äussern 
Dienst, aber für die Sache Gottes betrachtete. Man 
sah  und bei dem lilangel kräftiger Obrigkeit nicht mit 
Unrecht  in der edeln Handhabung der Waffen ein 
Mittel, die Unschuld zu schützen, dem Verbrechen zu 
wehren, den Schwachen, den Priestern, VVittWen und 
VVaisen zu ihrem Rechte zu verhelfen. Durch ein 
öffentliches 
Bekenntniss 
und 
Gelübde 
dieser 
Pflichten 
bei Annahme der Waffen glaubte man sich in der ge- 
rechten Uebung des bedenklichen Berufs am besten zu 
kräftigen. Mit einem Worte, der Gedanke des christ- 
lichen Ritterthums entstand. Es fand sogleich eine 
glänzende Anwendung in den Kreuzzügeu. Der waffen- 
fähige Streiter Christi xierglich sich dem Priester, der 
mit dem Worte kämpfte. Auch ihm war ein Amt in 
der christlichen bVeltorduung geworden, ein Amt, das 
selbstständige Verwaltung und andere Tugenden erfor- 
derte, als die des Geistlichen. Man bemerkte, dass 
Priester und selbst Päpste nur eben sündige Menschen 
seien, und dass es daher Fälle geben konnte, wo der 
Laie vermöge seines Amtes ihnen entgegen treten durfte.
        

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