Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das eigentliche Mittelalter
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-919364
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-922087
Glasmalerei. 
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werden, und zwar in einer ihrer Stellung im Gebäude 
entsprechenden Weise. Sie erschienen hier aber als 
Theile des Fensters, und zwar als lichter Gegensatz ge- 
gen das dunkle Maasswerk. Als solcher mussten sie 
daher auch behandelt werden, und wie nun das Maass- 
Werk die heiterste, lichteste Gliederung des ganzen Wer- 
kes war, gleichsam ein Spiel, das die Construetion nach 
vollendeter ernster Arbeit hier im Sonnenscheine sich er- 
laubte, so musste auch die Ausstattung der Lichtöffnungen 
heiter spielen, inihrem Elemente, in der-Farbe, soweit gehen, 
wie jenes in der Formffin ihrer Naturbeziehung es soweit 
überbieten, wie das Licht die Materie. Wenn daher 
jenes plastisch im Steine pflanzenähnliche Formen 
hervorzauberte, mussten hier menschliche Gestalten, 
wenn jenes unbestimmt blieb, hier bestimmte heilige 
Gegenstände sich zeigen. 
Wir erkennen hierdurch auch die wechselseitige Bezie- 
hung zwischen den Glasgemälden und dem Farben- 
Schmuck der Wandgliederung. Die kräftigen Farben, das 
glänzende Gold der Pfeiler und Kapitale verlieren den 
Schein des Grellen neben den leuchtenden Farben des 
Glasgemäldes, und dieses bedarf wieder solcher Vermit- 
telung, um nicht willkürlich und fremd neben weissen 
Wänden zu stehen. Der Maassstab wird ein andrer, 
wenn das ganze Gebäude farbig erscheint. Die Poly- 
chromie des Baues erforderte also die Glasmalerei der 
Fenster; ebenso aber auch umgekehrt diese jene. Was 
sich oben spielend zeigte, musste unten im ernsten Bau be- 
gründet sein; auch die Pfeiler mussten daher neben dem 
plastischen Elemente des Maasswerks das Farbenelement 
der Glasgemälde enthalten, damit jener feine und richtige 
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