Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das eigentliche Mittelalter
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-919364
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-922051
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Der 
gothische 
StyL 
nüchternen Sinnes , sondern ein unmittelbares Ergebniss 
des Constructionsprincipes. Der. ganze Bau ging so voll- 
ständig aus diesem Prineip hervor, er bildete so sehr 
einen in sich zusammenhängenden Organismus, dass er 
keine fremdartigen Anfügungen duldete, sondern das Or- 
nament, dessen er bedurfte, selbst erzeugte, und den 
ganzen Raum erfüllte. Die constructiven Glieder waren 
ohnehin so belebt und so bedeutsam, dass sie die Stelle 
des Ornaments vertraten. Die Schwingungen der Bögen 
und Gurten, die feine Gliederung der Pfeiler beschäftig- 
ten das Auge vollauf und erinnerten so sehr an das freie 
Leben der Natur und an vegetabilische Formen, dass der 
Vergleich mit wirklichen Naturbildungen nur nachtheilig 
wirken und die Stimmung, welche sie hervorbrachten, 
stören 
konnte. 
Allein diese Sparsamkeit bezog sich nur auf plasti- 
sche Ornamentation, nicht auf den Farbenschmuck. 
Auch hier war zwar eine Aenderung eingetreten. Die 
grossen Darstellungen heiliger Gegenstände, mit welchen 
die Mauern der romanischen Kirchen ausgestattet zu 
sein pflegten, kamen hier nicht mehr vor, weil die Wand- 
flächen, auf denen sie stehen konnten, verschwunden wa- 
ren, aber die Farbe wurde nicht verschmäht, sie wurde, 
wie einst in der griechischen Kunst, angewendet, um die 
Wirkung der Gliederung zu verstärken. Man gab da- 
her den einzelnen Diensten der Gewölbgurten verschie- 
dene, nach Maassgabe ihrer Stellung wechselnde oder 
symmetrisch wiederholte Färbung, bald einfach, bald mit 
einem leichten Muster, wodurch es denn dem Auge leich- 
ter wurde die einzelnen Glieder von den benachbarten 
zu sondern, und ihre Beziehung zu entfernteren wahrzu- 
nehmen. Die Farben, wie wir an den erhaltenen Spuren
        

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