Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das eigentliche Mittelalter
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-919364
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-922037
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Der 
gothische 
StyL 
Bewegung einladend. Der Geist der Strenge, der Jedem 
zwischen festen Mauern seine Stelle anwies, War gebro- 
chen, und der Chor gewann durch das vielfache von 
allen Seiten auf seine Mitte fallende Licht und durch die 
bedeutungsvollen Durchsichten 
Glanz und Pracht. 
in 
seine 
N ebenhallen 
an 
Endlich wirkte diese Vergrösserung des Chors und 
Kreuzschiffes auch wieder auf das Langhaus zurück. 
Man fand bei grösseren Kirchen die hergebrachte Zahl 
von drei Schiffen nicht geräumig und luftig genug, son- 
dern vermehrte sie auf fü n f, oder fügte den Seitenschif- 
fen noch eine Reihe von einzelnen Kapellen hinzu. 
Dadurch wurde es dann vollkommen klar, dass das Ganze 
nicht als ein von Aussen her, nach bestimmter Regel 
unabänderlich Begränztes anzusehen sei, sondern als das 
Product einer inneren Kraft, die sich immer weiter aus- 
dehnen, immer neue Ansätze hervortreiben konnte. 
Ehe wir zur Betrachtung des Aeussern übergehen, 
muss ich noch einen Blick auf dieOrnamentatLo n des 
Innern werfen. Es ist auch hier eine merkwürdige 
Veränderung vorgegangen; jener oft überladene, oft aber 
auch schöne Reichthum des Ornaments im romanischen 
Style ist verschwunden, das gedrängte Laubwerk, die 
phantastischen 'l'hiere, die schreckenden Larven sind ver- 
blannt, die Neigung zum Ueberraschenden und Wunderli- 
chen ist unterdrückt, alles zeigt sich geregelt, die construc- 
tiven Theile werden nicht mehr durch Verzierungen ver- 
dunkelt, die plastischen Arbeiten nicht mehr durch die 
architektonischen Linien beengt. Der neue Styl hat auf. 
geräumt, er liebt nicht das Ungewisse und Räthselhafte, 
sondern heitere, klare Bildungen, nicht das SOlIXVARIIkBD 
zwischen der Wirklichkeit und dem Gedanken, sondern
        

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