Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das eigentliche Mittelalter
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-919364
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-922023
Vermehrung 
Seitenschiffe 
Kapellen. 
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mithin die grade Zahl sechs geben, woraus denn folgt, 
dass die Axe des Schiffes nicht die Mitte einer Kapelle, 
sondern eine Scheidewand trifft. Die Kapellen endlich 
sind fast immer mit drei Seiten des Achtecks geschlos- 
sen, wenn auch der Chorraum selbst aus dem Zehn- oder 
Zwölfecke constrnirt ist, Weil diese grosse Zahl für die 
kleinen Abtheilungen nicht passend gewesen wäre und 
es nicht auf eine spielende Durchführung einer Grund- 
zahl, sondern nur auf den Ausdruck des Polygonförmigen 
überhaupt, als der geeigneten Gestalt für diesen Theil, 
ankam. 
Diese Umgestaltung des Chores und des Kreuzes 
änderte in vieler Beziehung den Charakter des Gebäudes. 
Im romanischen Style waren die Seitenschiße bescheidene 
Zugänge für das andringende Volk , und wurden daher 
nur an dem für dieses bestimmten Langhause angebracht; 
jetzt erschienen sie als nothwendigc Einrahmung des 
ganzen inneren und höheren Theiles der Kirche. Dort war 
der Chor zwar durch seine Erhöhung vom Volk gesondert, 
aber dafür von schlichten und kräftigen Wänden begränzt, 
einfach und ernst. Hier dagegen war er zwar nicht er- 
höht, aber von schlanken Pfeilern und von einer niedri- 
gern Halle umgeben, vornehm von der Aussenwelt ge- 
sondert. Die alte Form athmete strenge Kirchlichkeit, 
die neue einen aristokratischen Geist. Gewisse Vor- 
Lheile der ältern Anordnung wurden damit aufgegeben; 
der ganze Rhythmus war complicirter und schwerfälliger, 
die Bedeutung des Kreuzschilfes, durch seine Ausladung 
den Umschwung des Chors vorzubereiten, weniger an- 
schaulich. Indessen war Alles heller und geräumiger, 
durch mannigfaltige Durchsichten und Reflexe belebt, mit 
luftigen, würdigen Hallen zu freier, aber ehrfurchtsvoller
        

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