Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das eigentliche Mittelalter
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-919364
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-921421
Der 
ausgebildete 
Pfeiler. 
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Linien der Länge und Breite, in den mehr zurücktreten- 
den die Diagonalen, endlich ist in der grösseren Höhe 
der vorderen und in der geringeren der übrigen Säulen 
das verschiedene Höhenmaass der Schiffe angedeutet. 
Einer dieser Pfeiler genügt, um die Hauptverhältnisse 
des Ganzen zu bestimmen. Er entspricht vollkommen 
dem Kreuzgewölbe und hängt mit demselben aufs Engste 
zusammen; das Gewölbe erfordert den Pfeiler, dieser 
jenes. Der Pfeiler hat den Vorzug auf festem Boden 
zu stehen, er scheint aus ihm hervor zu wachsen, sich 
zum Gewölbe zu entfalten und mithin diesem erst das 
Dasein zu geben. Allein das Gewölbe schwebt auf 
höchster Stelle, es ist die Seele des bewegten Lebens 
und sieht auf den Pfeiler als seinen Diener und Träger 
herab. Beide stehen in vollkommenster organischer 
Wechselwirkung. 
Die Halbsäulen der SeitenschiHe und der Arcaden 
hatten noch ungefähr das antike Verhältniss der Höhe 
zum Durchmesser; der vordere Rundschaft des Mittel- 
schiffs, der bis zum obern Gewölbe hinaufsteigen muss, 
ging weit über diese Gränze hinaus, und erreichte eine 
Schlankheit, welche bei einer freistehenden Säule un- 
möglich gewesen wäre. Allein dies erschien hier keines- 
Weges auffallend; jene anderen Halbsäulen erklärten und 
rechtfertigten die Dicke des Schaftes, während die 
Pfeilerwand seine grössere Höhe motivirte. Er war ein 
Sprössling derselben Wurzel wie jene, der durch das 
Aufsteigen der Mauer, an der er haftete, ungewöhnlich 
hßch hinauf gezogen war. Er gab nicht mehr die Säule, 
sondern nur den phantastisch belebten Gedanken derselben, 
und grade das Hinausgehen über die naturgemässe Gränze 
War hier günstig, weil es den Beschauer anregte, ihn 
IV. I2
        

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