Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das eigentliche Mittelalter
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-919364
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-921239
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Der 
romanische 
Styl. 
fort und brachte nur allmälig die völlige Umbildung des 
Alten hervor. Man hat in Beziehung auf die romanischen 
Sprachen die richtige Bemerkung gemacht, dass das 
Römische eigentlich nur das Material, die WVurzeln der 
Wörter, das Germanische aber den Geist, die Redefü- 
gungen, die Endungen und Biegungen gegeben habe. 
Ganz ähnlich verhielt es sich auch in der romanischen 
Baukunst, auch hier war die römische Form der ruhige 
Stoff, und nur das Neue ein Erzeugniss der künstleri- 
schen Thätigkeit. Indessen war hier das antike Element 
noch schwächer, als in den Sprachen, so dass es seine 
volksthümliche Bedeutung ganz verlor, und nur in seinen 
allgemeinen, vielen Völkern zusagenden Grundformen 
Wirksam blieb. Die Eigenthümlichkeit diesesStyls, im 
Gegensatz gegen den gothischen, besteht also eigentlich 
darin, dass das gemeinsame Ideal sich noch nicht ein 
eigenes Ccnstructionsprincip geschaffen hatte, 
sondern sich an den alten herkömmlichen Formen geltend 
machte. Es war noch werdend und sehwankend, mehr 
eine Gesinnung oder Geschmacksrichtung, als eine be- 
wusste Kunstregel, hatte dafür aber den Vorzug höchster 
geistiger Frische und Unmittelbarkeit. Darin liegt 
denn auch der Grund, dass dieser Styl eine grosse 
Mannigfaltigkeit der Formen umfasst, die von lo- 
calen und individuellen Zufälligkeiten, von dem Vorherr- 
sehen entweder der Ueberlieferung oder des neuen Be- 
wusstseins und von dem rascheren oder langsameren Fort- 
schreiten in verschiedenen Gegenden abhängt. 
Diese, man kann wohl sagen, unerschöpfliche Man- 
nigfaltigkeit einzelner Detailformen und Combinationen 
bildet den Genuss des Forschers, der stets Neues, Ueber- 
raschendes, oft eine Fülle von Kraft und Naivetät findet;
        

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