Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das eigentliche Mittelalter
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-919364
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-921200
Der 
Spitzbogen. 
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grosse, mit leichtem Rippenwerk gefüllte Fenster und 
heitern Schmuck als solche zu erkennen geben. Die 
letzte Spur jener antiken Horizontallagerung war damit 
verschwunden, der Spitzbogen stellte den Gedanken reiner 
Verticalconstructioil auf das Augenscheinlichste dar. Der 
Halbkreis erscheint vermöge seines inneren, gesetzlichen 
Zusammenhanges immer noch als ein Ganzes, und son- 
dert sich von den senkrechten Stützen, auf denen er 
ruhet. Der Spitzbogen dagegen zerfällt in zwei Hälften, 
die beide mit den Stämmen, aus denen sie aufsteigen, 
enger verbunden sind, als untereinander; er ist nur eine 
mässige Neigung zweier senkrechten Stämme, die sich 
entgegenkommen, ohne ihren Charakter aufzugeben. We- 
gen dieser bedeutsamen Form wurde er auch bald ausser- 
halb des Gewölbes, zwischen den Pfeilern, an Fenstern 
und Portalen, selbst bei blossen Ornamenten angewendet; 
er war nothwendige Form, welche die harmonische Be- 
handlung aller Theile erleichterte.  
Dies mag vorläufig genügen, um das Gemeinsame 
beider Style und den Ausgangspunkt ihrer Verschieden- 
heit anzudeuten. Beiden gemeinsam war also die rhyth- 
mische Anordnung des Ganzen, als eines wohlgegliederten 
Inbegriffs selbstständiger Theile, das Streben nach orga- 
nischer Belebung vermöge des Bogens, nach gruppenar- 
tiger Gliederung der Einzelheiten, daher ferner eine 
Menge von Formgedanken, die wir weiter unten betrach- 
ten Werden. Verschieden waren sie nicht bloss wie 
"werdendes vom Reifen, sondern auch durch die Auffas- 
sung des Princips, indem im romanischen Style mehr die 
Einheit des Ganzen, die Ruhe, im gothischen mehr die 
Lebendigkeit des Einzelnen vorherrschte, in jenem das 
rhythmische Verhältniss, das Gesetz Sich Oßenbar darlegte,
        

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