Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das eigentliche Mittelalter
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-919364
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-921046
Der 
'l'hurmbau. 
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Allein auch sie umfasst noch das Ganze, giebt nur die 
körperliche, ungetrennte Einheit, nicht die bedingte, aus 
mehreren selbstständigen Gliedern bestehende. Der Tliurm- 
bau des Mittelalters beruhte dagegen auf dieser freieren 
Einheit, auf dem Gedanken der Gruppe. Daher besteht 
er auch gewöhnlich in einer Mehrzahl von Thürmen, und 
man begnügte sich nur da mit einem einzigen, wo die Be- 
schränkung der Mittel oder eine hierarchische Rücksicht 
auf den Rang der Kirche die freie Entwickelung verhin- 
derte f). Die Stelle, wo die 'l'hürme angebracht sind, ist 
nicht überall dieselbe, doch lässt sich die Verschiedenheit 
auf eine Alternative zurück führen; entweder gruppiren 
sie sich um das Mittelquadrat des Kreuzes, oder 
sie sammeln sich auf der Vorderseite der Kirche. Im 
ersten Falle begnügte man sich mit einer mässigen, ge- 
wöhnlich achteckigen, Kuppel, die aber nicht, wie die 
byzantinische mit ihrer Rundung heraustrat, sondern mit 
einem mehr oder weniger zugespitzteu Dache versehen 
war. Neben dieser Kuppel wurden dann entweder auf 
den vier Ecken des Zusammenstosses der verschiedenen 
Flügel des Gebäudes, oder doch an den zwei Ecken 
des Choransatzes schlankere, höher hinaufsteigencie 
'l'hürme angebracht. Es war daher ein Centralsystenr 
fmfsteigcnder Spitzen, von denen die mittlere, obgleich 
niedriger, durch ihre Masse und wegen ihrer gebietenden 
 Man lindet oft die Behauptung ausgesprochen, dass es ge- 
meinen Pfarrkirchexl untersagt gewesen, mehr als einen Thurm zn 
haben. Ich kenne keine gesetzliche Vorschrift dafür, aber thatsäch- 
lieh ist es richtig, dass sie meistens in dieser Gränze blieben, selbst 
bei bedeutendem Kostenanfwande, wie z. B. bei den Miinstern 
i" Freiburg und in Ulm Es mag sein, dass es ein vnn den Bischö- 
fßll bei den ihnen untergebenen Pfarrkirehen feslgehaltenes Herkoln- 
men war. Stiftskirchen und Abteien waren nicht an diese ugggl 
gebimden.
        

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