Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das eigentliche Mittelalter
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-919364
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-920976
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Das 
gemeinsame 
Ideah 
bildet gleichsam den kräftigen Anlauf einer Bewegung, 
die, am Centralquadrate gehemmt, nach beiden Seiten 
überströmt und dadurch den Umschwung erhält, der sie 
nöthigt nach kurzem Versuche fernem gradlixiigen Fort- 
schrittes sich im Chor mit einer Kreisbewegung umzu- 
wenden und in sich zurückzukehren. 
Hieraus ergiebt sich eine andere Eigenthümlichkeit 
des mittelalterlichen Baues, die grosse Bedeutung 
der Vorderseite als einer ausgezeichneten für iden 
Haupteingang bestimmten Stelle. Die griechische Archi- 
tektur kannte keine Facaden, viereckig oder rund war 
der Tempel auf allen Seiten gleich ausgestattet, und selbst 
in dem Privathause war der Säulenhof im Innern der 
wesentlichste und geschmückteste Theil, während die 
Aussenwand und die Eingangsthüre unscheinbar blieben. 
Die ägyptische Kunst hatte freilich ihre Pylonen und 
Vorhöfe und die römische schmückte den Eingang mit 
Vorhallen oder Säulenrelhen, allein überall fehlte hier der 
unmittelbare Zusammenhang mit dem Gebäude selbst, 
es wurde durch diese Vorbauten mehr verdeckt als ge- 
zeigt. Auch in der altchristlichen Kunst verbarg sich 
die Kirche noch hinter dem von einem Säulengange um- 
gebenen Vorhofe; allein dieser Vorbau hatte nun schon 
nicht mehr den Zweck eines falschen Prunkes, wie in der 
ägyptischen und römischen Zeit, sondern War eine Folge 
des Bedürfnisses, indem man die Täuilinge, Katechume- 
nen und Büssenden, diejenigen also, welche aus dem 
Ileidenthum hinzutraten oder in dasselbe zurückgefallen 
waren, nicht in das Heiligthum selbst aufnehmen wollte 
und ihnen deshalb einen äussern Raum anweisen musste. 
Indessen entsprach die architektonische Form auch hier 
dem Zustande, der sich in dieser kirchlichen Einrichtung
        

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