Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das eigentliche Mittelalter
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-919364
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-920927
Der 
Grundriss. 
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Formen zu ergänzen und zu ersetzen, war die Aufgabe 
des romanischen Styls, die er bald genial bald phanta- 
stisch löste, immer noch mit einer Rücksicht auf antike 
Formen oder doch auf das antike, steingemässe Bildungs- 
gesetz. Im gpthischen Style war diese Rücksicht über- 
wunden, ein neues eignes Princip errungen, das er kühn 
und mit Selbstbewusstsein zur vollständigen immer rei- 
chern Anwendung brachte. 
Aber nicht bloss die allgemeine T endenz, auch die 
F ormen beider Style waren vielfach dieselben, die Ver- 
wandtschaft ist nirgends zu verkennen, sie scheiden sich 
in gleicher Weise von den altchristlichen Formen. 
Bertrachten wir zuerst den Grundriss, so finden 
wir ihn in beiden Stylen in derselben charakteristischen 
Gestalt des Kreuzes, und zwar des s. g. lateinischen 
Kreuzes, an welchem der vordere Arm länger ist als die 
andern. Man darf nicht glauben, dass der symbolische 
Gedanke, die Kirche auf das Kreuz, auf das Leiden 
Christi, zu gründen, hier bestimmend gewesen sei; wäre 
dies der Fall, so würde man gesorgt haben, dass die 
Kreuzform mehr insAuge fiel; auch hätten, wenn man eine 
Nachahmung des wirklichen Kreuzes bezweckte, die 
Querarme länger gebildet werden müssen als es geschah. 
Für diese Symbolik genügte die Einsenkung eines 
Kreuzes oder kreuzförmig gelegter Steine bei der Grund- 
Steinlegung  Jene Kreuzgestalt der Kirchen war viel- 
mehr ein Erzeugniss des architektonischen Bedürfnisses 
und zwar ein sehr wichtiges. Die Basilika bestand 
 S0 bei Gründung des Merseburger Doms: Heinricus llllßtllßr 
la-Pides in modum sanctae orucis in fundamento primitus jaciens. 
(Chron. Episc. Mers. p. 357 bei Lepsius in den Neuen Mittheilungen 
des Thür. Sächs. Vereins 1:342).
        

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