Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das eigentliche Mittelalter
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-919364
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-920783
Mathematische 
Symbolik. 
113 
Lichte unverhüllt zeigen, nicht gleichgültig bleiben. Je- 
ner Gedanke, den Roger formulirte, lag ihr unbewusster- 
weise zum Grunde; sie beruhete auf einer der Perspeotive 
ähnlichen Vorstellung, indem sie sich Gott als den 
strahlenden Mittelpunkt des Universums dachte und die 
grössere oder geringere Bedeutsamkeit der Dinge wie die 
abnehmende Kraft gebrochener und reflectirter Licht- 
strahlen auffasste. Daher trat auch, je mehr sie ausge- 
bildet wurde, diese perspectivische Beziehung immer 
deutlicher hervor, wie sie denn in Dante's Paradies fast 
unverhüllt ausgesprochen ist. Mindestens aber gab die 
Form des logischen Schlusses, der ja ebenfalls die An- 
tithese durch mehrfache Beziehungen vermittelt und so 
einem Abschlusse entgegenführt, eine Erinnerung an 
jenen tiefem Gedanken der perspectivischen Herleitung 
aller Dinge aus Gott und wurde schon deshalb mit Vor- 
liebe behandelt. 
Jede dieser wissenschaftlichen Bestrebungen enthielt 
also eines der Elemente, welche die symbolische Welt- 
ordnung verschmelzen wollte; die Encyklopädie die Fülle 
des irdischen Stoffes, die Mystik den Gedanken der vol- 
len ungetrübten Einheit, die Scholastik und die Mathe- 
matik das Gesetz der Form, unter welcher die Mannigfal- 
tigkeit auf eine Einheit zurückgeführt werden konnte. 
Alle zusammen gaben daher eine Anregung, sich das 
Ganze vorzustellen, aber auch zugleich den Beweis, dass 
es auf dem Gebiete des Wissens keine Gestalt gewinnen 
könne, weil jedes dieser Elemente in seiner Einseitigkeit 
die anderen ausschloss. 
Nur 
durch 
die 
Kraft 
des 
individuellen 
Gefühls 
konnten sie also verschmolzen werden; aber die gewöhn- 
lichen Aeusserungen desselben waren zu unvollkommen, 
IV. 8
        

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