Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das eigentliche Mittelalter
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-919364
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-920688
Symbolische 
Weltuuffassung. 
103 
das 
wir 
{III 
den 
höhern 
Erzeugnissen 
des 
Mittelalters 
wahmehmen. 
Der Glaube hatte hier eine andere Bedeutung als 
die, in welcher wir ihn aufzufassen pflegen; er beruhete 
nicht bloss auf einer subjectiven, durch göttliche Gnade 
oder persönliches Gefühl entstandenen Ueberzeugung , son- 
dern auf der breiten Basis von Natur und Geschichte. 
Man setzte als gewiss voraus, dass alle Dinge eine 
Bestätigung der Offenbarung enthielten, man glaubte diese 
so oft wirklich zu erkennen, dass man auf ihr Dasein 
in allen andern noch unerklärten Erscheinungen schlies- 
sen musste. Ein Zweifel an der Wahrheit dieses von 
allen Seiten bestätigten Glaubens war daher nicht denkbar, 
er hätte aller Erfahrung Hohn gesprochen. 
Allein so fest dieser Glaube begründet war und so 
viel Gelegenheit sich zu bewähren ihm das Leben dar- 
bot, so hatte er doch das Bedürfniss einer objectiven An- 
schauung in einem eigens dazu bestimmten Organ. Die 
Kirche gab sie noch nicht, denn dieser Volksglaube ging 
weiter als sie, er begnügte sich nicht mit der blossen 
Unterwerfung unter die Autorität des Wortes, er umfasste 
die Welt, die jene in ascetischer Strenge vermied, wollte 
gleichsani mit Leib und Seele die Wahrheit und Schön- 
heit des göttlichen Reiches empfinden. 
Am nächsten bot sich dazu das ordentliche Organ 
objectiver Erkenntniss, dieWissenschaft dar; man strebte 
daher den grossen Zusammenhang vollständig zu über- 
sehen, ihn in der Natur und Geschichte so wie im mensch- 
lichen Geiste aufzuzeigen, den Organismus der Welt im 
Ganzen zu überblicken. Auch hier kam eine aus der 
Vorzeit überlieferte 
Schon jene Werke 
Form dem Bedürfnisse entgegq-"L 
der römischen Grammatiker, auf
        

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