Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das eigentliche Mittelalter
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-919364
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-920662
Realisten 
und 
Nominalisten. 
lOl 
dem flüssigen Zusammenhange herausrissen und zum Ge- 
genstande ihrer Betrachtungen machten k), indem sie diesel- 
ben mit neuerfundenen, volltönenden lateinischen Kunstwör- 
teru belegten, gleichsam tauften, mit Kunstwörtern, die we- 
gen des mangelnden Artikels dem an die Nationalsprachen 
gewöhnten Ohre völlig wie Eigennamen klingen mussten, 
hatten sie dieselben schon zu dem Range selbstständiger 
Gedankenwesen erhoben. Wenn man ihnen nnn auch das 
Prädicat der Realität oder Existenz absprach, so behielten 
sie doch als Subjecte dieses Urtheils einen Schein von 
Wesenheit. Daher nannte man sie auch Nomina, gleich- 
sam Namen, denen die Person abhanden gekommen war. 
Auch die Benennung der Parteien ist charakteristisch für 
den Unterschied der damaligen Denkungsweise von der 
nnsrigen; wir würden gerade die N ominalisten, weil mehr 
an der gemeinen Wirklichkeit hangend, Realisten, diese 
aber, weil blossen Gedanken Existenz verleihend, Ideali- 
sten genannt haben. Man sieht, der Unterschied besteht 
darin, dass wir von den wirklichen Dingen, jene von 
den ideellen ausgehen, dass uns jene gewiss, diese pro- 
blematisch erscheinen, während es dort umgekehrt war. 
Freilich war dieser Idealismus nicht von der reinsten Art, 
weil er die Gedanken ihrer Flüssigkeit beraubte, so dass 
statt der Einen Idee mehrere ideelle Dinge entstanden; 
allein 
eben 
dadurch 
erhielten 
diese 
Gedankendingv: 
llllf 
 Qualilas, Quantitns, Quidditas, Haecceitas, relatio, actio, pas- 
siu u.s.f. Nach DunsScotus (Tennemann a. a.0. S. 741) besteht je- 
des Ding aus der Quidditas und I-laecceitas, d. i. aus der Gattung 
und Siugularität, z. B. Petrus aus derI-lumanitas und derPetreitas. Die 
höchste Spitze der Erstarrung der Begriffe war die s. g- KlmSl des 
Raymund Lullus der sie auf bestimmte Zahlen und Üfdnllngen 
reduciren, und durch ein mechanisches Verfahren die grössten Pro- 
bleme lösen zu können glaubte.
        

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