Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das eigentliche Mittelalter
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-919364
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-920605
Allegorische 
Personificationen. 
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als die Todsünden: Stolz, Neid, Zorn, Lässigkeit, Geiz, 
Völlerei, Wollust, bezeichnet. Indessen banden sich die 
Dichter und die Verfasser der Lehrbücher nicht strenge 
an Zahl und Namen, sie vermehrten sie, theilten sie 
anders ein, und selbst in der bildenden Kunst finden sie 
sich durch andere ergänzt oder ersetzt 3). An diese aus 
der Vorzeit überlieferten reiheten sich dann andre, im 
Mittelalter erfundene Personificationen, die aber 
allgemein adoptirt wurden und daher auch einen histo- 
rischen Charakter erhielten. So die Gestalten des 
Christenthums oder Glaubens und des Judenthums 
oder Gesetzes, die wir oft an den Kirchenthüren oder 
neben dem Gekreuzigten finden; jene mit dem Kreuze 
oder Kelche, diese mit dem gebrochenen Stabe des Ge- 
richts und mit verbundenen Augen. S0 ferner die Ge- 
stalt der Welt, welche bei deutschen Dichtern mehr- 
mals vorkommt und als eine Frau geschildert wird, die 
vorne schön und geschmückt, hinten aber verwest und 
von Würmern zernagt ist. Die Gewohnheit der Perso- 
niücation gestattete es aber auch, dass man nicht bloss 
Begriffe und Eigenschaften, sondern auch natürliche 
Dinge in menschlicher Gestalt darstellte, und so die 
Ü So sind an dem Dom zu Chartres 14 'l'ugenden oder virtutes 
(in einem allgemeinem Sinne. als gute Eigenschaften) aufgestellt, Im- 
ter denen Libertas, Honor, Velocitas, Concordia, Amicitia, Majestas, 
Sanitas und Securitas durch Inschriflen bezeichnet sind. [Didfßll 
in den Annal. arch. VI. p. 48 ili] Statt der gewöhnlichen 7 Lßslßl" 
Oder Todsünden: Superbia, invidia, ira, acedia, avaritia, gulß, lllxllriß, 
giebt Giotto in der Arena. zu Padua die Negalionen der 7Tugenden: 
lnjustitia, Ira, Stullitia, lnconstanlia, Inlidelitas, Invidia, Dßsllerallliü- 
Dante im Purgalorio bringt die Todsündeln in gegwsäizüche Verbill- 
drlng mit den in der Bergpredigt verkündigten Seligkeiten, die er 
zu diesem Zwecke auf 7 reducirt, und in eine entsprechende Ord- 
llllllg stellt.
        

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