Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das eigentliche Mittelalter
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-919364
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-920571
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Ritterliche 
Mythologie. 
Dualismus waren durch griechischen Einfluss gemildert 
und ungefähr auf das christliche Maass des Gegensatzes 
von Engeln und Teufeln zurückgebracht. Dabei aber 
herrschte in diesen Sagen ein abenteuerlicher, ritterlicher 
Geist. Diese Feen, Zauberer, Genien traten vornehmer 
und eleganter auf; sie hingen nicht so enge mit der 
gemeinen Natur zusammen, die Quelle ihrer Macht war 
ungewiss, sie schien auf persönlichem Erwerb oder auf 
besonderer Gunst zu beruhen, und stimmte auch dadurch 
mehr zu aristokratischen Begriffen. Dafür aber waren 
sie weniger bedeutsam und lebenskräftig, ohne charak- 
teristische Eigenthümlichkeit, und der Glaube an sie 
viel schwankender, als der an jene Wesen des Volks- 
mährchens. 
 Auch die Gelehrten hatten endlich, wie Volk und 
Ritter, eine eigne Art mythologischer Wesen in ihrem 
Kreise erzeugt, die allegorischen Personifica- 
tionen, die Tugenden und Laster, die sieben freien 
Künste und manche andre. Man darf nicht glauben, dass 
das Mittelalter diese Gestalten so ansah wie wir, als 
willkürliche Einkleidung eines Begriffs; sie hatten eine 
viel kräftigere Bedeutung, sie waren nicht bloss erson- 
nen, sondern auch überliefert. Um dies zu erklären, 
müssen wir auch hier wieder auf heidnische Zeiten zu- 
rückgehen. Die römische Religiosität hatte bekanntlich 
die Götter nicht in dem Grade wie die griechische indi- 
vidualisirt; sie betrachtete sie mehr als Repräsentanten 
physischer und geistiger Kräfte und nahm keinen An- 
stand auch abstracte Begriffe, wie die Virtus, Fortuna, 
Abundantia, Roma persönlich zu gestalten und auf die 
Altäre zu erheben. Diese Auffassung war in der spätem 
Zeit des römischen Reichs, als der Glaube an die Volks-
        

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