Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Altchristliche und muhamedanische Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-898144
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-899436
Richtung 
der 
altchristlichen 
Kunst. 
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Richtung wird den Blick von der Natur abziehen und 
daher die bildenden Künste entweder gar nicht aufkom- 
men lassen oder sie doch nur als gleiehgültige sinnliche 
Zierde aus der Fremde aufnehmen und dulden.  Eine 
Denkungsweise dagegen, welche in der Natur die grosse 
Erhalterin der Dinge und. mithin göttliches Leben vor-V 
aussetzt, wendet sich ihren Erscheinungen mit Liebe zu 
und braucht sie als Mittel der Darstellung, welche dann 
sofort eine künstlerische wird. Je nachdem nun aber das 
göttliche Leben in der Natur als ein freies, geistiges, 
dem Menschen ähnliches , oder als ein fremdartiges, 
dunkles , gebieterisches Wesen anderer Art betrachtet 
wird, gestaltet sich auch die Kunst frei und belebt, oder 
starr und Hnster. Da ist es nun sehr bemerkenswerth, 
wie diese frühen christlichen Gemeinden, obgleich ihr 
Streben auf das Jenseits gerichtet War, weder zu einer 
jüdischen Verbannung des Bildes noch zu einer trüben 
Auffassung der Natur sich hinneigten. Selbst die Kirchen- 
lehrer, vermöge ihrer Stellung begreiflicherweise strenger 
als die andern Christen, verwerfen doch nur scheinbar 
jedes Bild. Sie gaben sofort wenigstens die Erlaubniss 
zu Symbolen, sie fanden selbst eine fromme Freude in 
der Deutung einzelner Gegenstände auf Christus und auf 
christliche Hoffnungen und Eigenschaften. Und damit War 
sehr viel gegeben, nun durfte der Blick schon freundlich 
auf den Erscheinungen der Natur ruhen, weil er in ihnen 
Gleichnisse der höchsten geistigen Güter fand. Die Zahl 
dieser Symbole musste bald gewaltig wachsen. Der Sinn 
der You einem Gegenstande erfüllt ist, wird durch alles 
daran erinnert, jedes ruft ihm eine Eigenschaft, eine Be- 
ziehung daran ins Gedäehtniss. Das Wohlgefallen an 
diesem symbolischen Liebesspiel erregt die Phantasie;
        

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