Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Altchristliche und muhamedanische Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-898144
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-899429
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Verfall 
des 
römischen 
Reichs. 
Heiteres und Freundliches gesucht zu sein, ähnlich wie 
an den heidnischen Gräbern. Besonders zeigt sich dies 
in der Darstellung des guten Hirten oder des Orpheus, 
die oft ausgedehnt, mit grösserer Zahl von Thieren, mit 
Hügeln und Bäumen ausgestattet ist. Zuweilen findet 
sich sogar der gute Hirt nicht von Gegenständen be- 
stimmter religiöser Symbolik, sondern von den vier Jah- 
reszeiten umgeben, welche durch Männer in Beschäfti- 
gungen, wie sie denselben entsprechen, unverkennbar 
angedeutet sind. Auf Bildern dieser Art sehen wir Wieder 
das malerische Princip deutlicher hervortreten, während 
bei den meisten andern der arabeskenartige Charakter, 
den sie mit der römischen Wandmalerei gemein haben, 
es selbst nicht in dem Grade wie auf den Sarkophagen 
aufkommen lässt. 
Die Zeichnungen nach diesen wieder verschütteten 
und untergegangenen Malereien, auf welche wir, wie 
gesagt, ausschliesslich angewiesen sind, gestatten freilich 
kein vollständiges Urtheil über ihre künstlerische Aus- 
führung; indessen verräth schon die Anordnung und Ein- 
theilung der Bilder und die Irlandhabung des arabesken- 
artigen Beiwerks eine gewisse malerische Technik, die 
also, wie die plastische, hier nicht geringer scheint, als 
bei andern spätrömischen Arbeiten. Und dies genügt 
uns im Wesentlichen, da künstlerische Meisterwerke 
ohnehin nicht zu erwarten sind. 
Um so wichtiger und lehrreicher ist dagegen die 
Betrachtluig der Richtung, welche sich an diesen WVer- 
ken der ersten christlichen Epoche zeigt. 
Die Kunstrichtung einer Zeit oder eines Volkes hängt 
sehr wesentlich von dem Gesichtspunkte ab, unter wel- 
chem. die Natur erscheint. Eine iibersviegend geistige
        

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