Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Altchristliche und muhamedanische Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-898144
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-899334
Gegenstände 
der 
altchristlichenx 
Kunst. 
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führen zu können, allein alle Versuche dieser Art schei- 
tern bei näherer Vergleichung der Monumente. Man 
wollte also nur eine Erinnerung an die geistige Bedeu- 
tung des Erlösers und war gegen seine äussere histo- 
rische Erscheinung im Ganzen gleichgültig. Ein wirkliches 
oder vermeintliches Bildniss Christi kommt daher hier 
nicht vor f), und es ist nicht unwahrscheinlich, dass man 
selbst bewusster Weise ein solches vermieden hat, um 
der Versuchung oder dem Vorwurf des Götzendienstes 
zu entgehen. Wir werden später die Geschichte des 
Bildnisses Christi ausführlicher im weitern Zusammenhan- 
ge betrachten. Schon hier ist aber daran zu erinnern, 
dass die ziemlich ausgebreitete christliche Secte der 
Doketen dafür hielt, dass der Erlöser auf Erden sich nur 
eines Scheinleibes bedient habe, und dass diese Ansicht, 
obgleich von der rechtgläubigen Kirche zurückgewiesen, 
dennoch auf bedeutende Kirchenlehrer, wie Origenes und 
Clemens von Alexandrien, nicht ohne Einfluss blieb. Mit 
Vorliebe führte man auch die Stelle des Propheten Je- 
saias an, in welcher der Messias als klein, hässlich, in 
Knechtsgestalt erscheinend beschrieben wird, und die 
Kirchenväter waren nicht abgeneigt, es anzunehmen, dass 
Christi Gestalt wirklich dieser Prophezeiung entsprochen 
habe. Sie ziehen daraus die Lehre, dass der Christ nicht 
ü) ln den Katakomben findet es sich zwei Mal, im Coemeterium 
Pontiani olfenbar aus späterer Zeit (Aringhi I. 367), und im Coeme- 
lerium S. Calisti (daselbst S. 561). Hier scheint es allerdings älter, 
indessen beruht. die Annahme, dass dieses weder mit dem Kreuze 
noch mit einem andern Zeichen versehene Brustbild den Erlöser dar- 
stelle, nur auf einer Aelmlichkeit der Ziige mit dertypisßhen V01"- 
Stemmgp wobei denn den Nachahmungen, welche die Verfasser der 
Roma Sllblerranea geben, nicht in dem Grade zu trauen ist, um auf 
diese vereinzelte Ausnahme Gewicht zu legen. Merkwürdiger Weise 
ist in demselben Grnbgemach aueh noch der Orpheus dargestellt.
        

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